Comic : In 80 Jahren um die Welt -Tim und Struppi feiern Geburtstag

Die Comic-Helden Tim und Struppi erreichen das Greisenalter: Vor genau 80 Jahren, am 10. Januar 1929, erschien das erste Abenteuer des rasenden Reporters und Detektivs mit seinem schneeweißen Hund.

Stephanie Lob[AFP]
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Wie alles begann. Tim und Struppi auf dem Titel des ersten Bandes: "Tim im Lande der Sowjets".

BrüsselSie haben gemeinsam den Himalaya erklommen, waren ägyptischen Pharaonen auf der Spur und landeten weit vor Neil Armstrong auf dem Mond - nun feiern der Comic-Held Tim und sein treuer Hund Struppi ihren 80. Geburtstag. Sogar eine zweite Jugend als Filmstars winkt den unermüdlichen Helden, wenn US-Regisseur Steven Spielberg seine Pläne verwirklicht.

Das erste Abenteuer des Jung-Reporters Tim erschien am 10. Januar 1929 in einer Beilage der katholischen Brüsseler Zeitung "Le Vingtième Siècle" (Das Zwanzigste Jahrhundert). Erster Zwischenstopp war Berlin. In der deutschen Hauptstadt war Tintin, wie er im im französischen Original heißt, per Zug auf der Durchreise ins "Land der Sowjets".

Fortan tauchte der Jungspund mit der blonden Stirntolle und den braunen Kniebundhosen immer wieder an internationalen Krisenherden auf. So enthüllte Tim nicht nur Sowjet-Propaganda, sondern erlebte auch die japanische Invasion in China in den 30er Jahren mit sowie eine Ölkrise am Golf. Tatkräftig zur Seite stehen Tim und Foxterrier Struppi (im Original Milou) der Whisky-Freund und ewig fluchende Kapitän Haddock und der genial-verwirrte Professor Bienlein.

Hergé erlangt durch Tim und Struppi Weltruhm

Dem belgischen Zeichner Hergé, mit bürgerlichem Namen Georges Rémi, brachten die Abenteuer von Tim und Struppi Weltruhm. In mehr als 50 Sprachen wurden seine Bücher übersetzt und mehr als 200 Millionen Exemplare verkauft. Allein in Deutschland gingen bisher laut dem Carlsen Verlag gut 8,5 Millionen Comics über die Ladentheken. Jedes Jahr kommen rund 100.000 dazu.

Auch wenn Tim Spione, Guerillakämpfer und unfreiwillig sogar den Yeti jagt, bleibt seine Welt merkwürdig beschränkt. So spielen Frauen in den Comics allenfalls eine Randrolle. Anders als Kapitän Haddock, dem in "Die Juwelen der Sängerin" eine schrille Operndiva nachstellt, erlaubt Hergé seinem Tim keine Verehrerin - von den Leserinnen einmal abgesehen. Die katholische Pfadfinderbewegung lässt grüßen, der Tim auch seine Kleidung verdankt. Auch sein eigenes Handwerk vernachlässigt Journalist Tim in den Comics schmählich. Nur ein einziges Mal in insgesamt 24 Bänden schickt er einen Artikel an seine Redaktion.

Karriere mit Kratzern

In seinem Heimatland Belgien wird Hergé als Vater des europäischen Comics verehrt. Zwei Jahre nach seinem hundertsten Geburtstag eröffnet im Juni in der Universitätsstadt Louvain-la-Neuve südlich von Brüssel ein Museum zu Ehren des Zeichners. Allerdings verlief Hergés Karriere nicht ohne Kratzer. Kritiker werfen dem 1983 im Alter von 75 Jahren Gestorbenen eine rassistische Darstellung von Nicht-Europäern, vor allem Afrikanern, vor.

Die Zahl der Fans nimmt dennoch nicht ab. Auch US-Regisseur Spielberg zählt zu ihnen. Der Vater von "E.T." und "Schindlers Liste" arbeitet an einer Trilogie von Tim-und-Struppi-Filmen, die im kommenden Jahr in die Kinos kommen soll. Für den ungebrochenen Erfolg der Geschichten hat Hergés Witwe Fanny Rodwell eine einfache Erklärung: "Sie rühren das Herz der ganzen Welt."

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