Deutscher Buchpreis : Hochmütig

Es scheint noch wahrlich edle Gemüter unter den Schriftstellern zu geben. So wie Peter Handke. Der hat gestern in einem Brief an den Börsenverein auf seine Nominierung mit dem Roman "Die morawische Nacht" für den Deutschen Buchpreis verzichtet.

„Ich freue mich für die Morawische Nacht auf der Buchpreisliste. Aber ich möchte zugunsten der anderen Gelisteten, vor allem der jüngeren, zurücktreten, samt Respekt vor der ehrenwerten Jury.“ Handke will also anderen den Vortritt lassen. Soso. Das klingt edler als es in Wirklichkeit ist. Denn gewinnen (außer Geld) kann Handke nichts – fällt er aus der Longlist, ist das womöglich peinlich. Sollte er den Preis gewinnen, würde er als vielfach ausgezeichneter Dichter (u. a. Büchnerpreis) auch nicht viel mehr an Ruhm einfahren. Tatsächlich wirken ja Namen wie Handke, Martin Walser oder auch Wilhelm Genazino auf der Buchpreisliste merkwürdig. Diese Schriftsteller sind eingeführte Größen, sie müssen nicht am Markt etabliert werden, was ja eines der erklärten Ziele des Deutschen Buchpreises ist. Ihre Bücher aber nicht zu nominieren, hätte ebenfalls etwas Widersinniges, zumal wenn sie eben ihre Qualität haben.

So müsste Peter Handke eine Nominierung ohne echte Aussicht auf den Deutschen Buchpreis aushalten können. Martin Walser hat das mit „Angstblüte“ schon einmal getan, Wilhelm Genazino mit „Mittelmäßiges Heimweh“ ebenfalls. Ihnen sind keine Zacken aus der Krone gebrochen. Handkes Verzicht zeugt eher von Hochmut und einer gewissen Respektlosigkeit gegenüber den jüngeren Kollegen. Wer gewinnt schon gern gegen einen renommierteren Kollegen, ohne dass dieser zum Wettkampf antritt? gbar

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