Deutscher Buchpreis : Irren ist griechisch

Es geht wieder los! Die Romane für die Longlist des Deutschen Buchpreises sind nominiert, alles harrt gespannt der Ausdünnung zur Shortlist. Die Herbstprogramme der Verlage sind gesichtet und innerbetrieblich schon heftig debattiert worden. Was erwartet uns?

Steffen Richter

Die Zwischensaisonbücher sind bereits erschienen, die Rechnung der Verlage scheint aufzugehen: Einige Titel werden mitten ins Sommerloch platziert, um mehr mediale Aufmerksamkeit zu ergattern. Aber wer wird in vier Wochen wissen, wie die Sommertitel hießen? Richard Ford war dabei, Martin Mosebach auch … Hm. Ausgerechnet das Gedächtnis der Buchbranche wird immer kürzer. Weil sie sich den üblichen Marktmechanismen anschmiegt, ist sie daran nicht ganz unschuldig. Der Herbst jedenfalls hat einiges zu bieten: nationale Prominenz mit Peter Handke, Brigitte Kronauer oder Michael Kleeberg ebenso wie internationale mit Don DeLillo, Haruki Murakami oder José Saramago. Und es gibt die alten Meister vergangener Tage: den literarischen Tausendsassa Italo Calvino in seinen Briefen oder – wegen eines Jubiläums im Dezember – neue Biografien von Joseph Conrad. Ganz besonders spektakulär scheint mir allerdings eine Neuübersetzung der Homerischen „Odyssee“, des Buches also, mit dem für die abendländische Literatur beinahe alles begann.

Auftakt allerorten herrscht auch an den Berliner Leseplätzen. Im Literarischen Colloquium (Am Sandwerder 5, Zehlendorf) gibt es am 30.8. (20 Uhr) den traditionellen Saisonauftakt mit Berliner Autoren. Larissa Boehning („Lichte Stoffe“), Friedrich Kröhnke („Wie in schönen Filmen“), Katja Oskamp („Die Staubfängerin“), Jens Sparschuh („Schwarze Dame“) und Richard Wagner („Das reiche Mädchen“) stellen ihre Bücher vor. Den „Saisonauftakt“ im Literaturhaus bestreitet am 31.8. (20 Uhr) Ulrich Peltzer mit „Teil der Lösung“ (Ammann). Eine Komplettlösung ist in Peltzers Welt offenbar nicht mehr zu haben. In ihr herrscht Totalüberwachung, terroristische Bewegungen verschiedenster Couleur breiten sich aus. Das könnte trotz der Fülle an Herbstbüchern im Gedächtnis bleiben.

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