Literatur : Die Freunde

Eine Gebrauchsanweisung für Kathmandu und Nepal

Julia Boeck

In den sechziger Jahren kamen großäugige, dünne Mädchen und üppig bebärtete Männer nach Nepal. In den siebziger und achtziger Jahren folgten Trekker mit „North-Face“-Jacken. Anfang 2000 zieht es dann die Pop-Schriftsteller Christian Kracht und Eckhart Nickel nach Kathmandu. Im Hotel Sugat in der Freakstreet, jener Gasse, auf der sich heute noch Kifferbars und Plattenläden reihen, beziehen sie Quartier. Von hier aus produzieren sie bis 2006 acht Ausgaben der Literaturzeitschrift „Der Freund“.

Manche Erlebnisse dieser Zeit stehen nun in ihrer „Gebrauchsanweisung für Kathmandu und Nepal“ – nach „Ferien für immer“ das zweite gemeinsame Buchprojekt der schreibenden Freunde. Dieses ist keine klassische Rucksackfibel mit Gebirgskletterrouten und gutgemeinten Reisetipps. Kracht und Nickel erzählen von Begegnungen mit westlichen Touristen und hängengebliebenden Freaks, sie liefern Geschmackstudien zu „Dhaal Bhat“, dem Lieblingessen der Nepalis, und bei einer Teestunde treffen sie den maoistischen Premierminister Prachanda.

Dieses Buch will primär unterhalten, trotzdem ist der Blick auf die nepalesische Alltagswelt präzise. Etwa wenn Kracht und Nickel nach einem Besuch der Reinigungsfirma „Band-Box“ die Haftungsausschlusspunkte des Reinigungsauftrages zitieren: „Die Entfernung von Flecken kann nicht garantiert werden“ und beschreiben, wie der kulturelle Austausch mit Vertretern der nepalesischen Hesse-Gesellschaft zu einem Saufgelage wird. Witzig auch, wie sie in Lumbini, dem Geburtsort Buddhas, ihren Spaß mit Mathias haben, der im weißen Ritualgewand und mit kahlem Kopf unter einem Bo-Baum sitzt. Für ein paar Rupien beantwortet der Hobbybrahmane aus Konstanz Fragen, und die zwei Schriftsteller werfen haufenweise Münzen in die kupferne Geldschale.

Zeitweilig wird der Bogen der Ironie jedoch überspannt, da bekommt der Text dann neokoloniale Anstriche. Über die Zubereitung von Chili-Chappatis heißt es etwa: „Der Chapatimann nimmt aus einem Tiegel, in dem sich sehr altes Fett befindet, einen Lumpen, den er 1998 im Keller der Chemiefabrik, in dem sein Bruder als Müllmann arbeitet, hinter einem Wandschrank gefunden hat, und bestreicht damit die Oberfläche des Teigfladens.“ Die Chili-Chapatis schmecken dann aber trotzdem. Julia Boeck

Christian Kracht, Eckhart Nickel: 

Gebrauchsanweisung für Kathmandu und Nepal. Piper, München 2009. 172 S., 12, 90€.

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