Ehrengast vorgestellt : Frankfurter Buchmesse schaut voraus

In Frankfurt hat die Buchmesse bereits einen Blick in die Zukunft geworfen. Ehrengast China stellte seine Pläne für 2009 vor. Kritiker monierten indes die Verfolgung von Autoren in der Volksrepublik.

Frankfurter Buchmesse
Frankfurter Buchmesse schaut voraus. -Foto: dpa

Frankfurt/MainDie Buchmesse hat am zweiten Tag ihren Blick bereits auf das nächste Jahr gerichtet: Nach der Türkei wird 2009 China Ehrengast in Frankfurt sein. Das Land stellte am Donnerstag seine Pläne vor und musste sich kritischen Fragen stellen. Zu den Gästen des zweiten Messetages gehörten Schauspieler wie Mario Adorf, Historiker wie Ian Kershaw und Autoren wie Orhan Pamuk. Der Start der 60. Buchmesse war indes vielversprechend: Bereits am ersten Tag kamen 46.108 Besucher - 1,8 Prozent mehr als im Vorjahr.

Der erste Auftritt des Ehrengastes China fand auf der weltgrößten Bücherschau ein gewaltiges Medieninteresse. Die chinesischen Organisatoren kündigten an, auch Taiwan sowie Hongkong und Macao bei ihrer Präsentation miteinzuladen. Ansonsten gaben sie sich bedeckt: Wieviele und welche Schriftsteller kommen werden, stehe noch nicht fest. Auf kritische Fragen zu den Menschenrechten in China sagte die Vize-Ministerin für das Verlagswesen, Li Dongdong, es gebe inzwischen Verlags- und Meinungsfreiheit. Jeder Autor in China müsse jedoch die Gesetze des Landes achten.

Pen-Gruppe kritisiert Verfolgung von Autoren

Wenige Stunden später prangerte die Schriftsteller-Vereinigung PEN die Verfolgung von Autoren in den Buchmesse-Gastländern Türkei und China an. In der Türkei seien zurzeit etwa 75 Autoren angeklagt, rund 40 Schriftsteller und Journalisten säßen in China in Gefängnissen oder Umerziehungslagern, heißt es im Bericht der Pen-Gruppe "Writers in Prison". Weltweit seien allein im ersten Halbjahr dieses Jahres 20 Autoren getötet worden und 7 verschwunden. 189 Schriftsteller sind laut Pen im Gefängnis, 50 wurden vorübergehend inhaftiert und gegen 223 läuft ein Gerichtsverfahren.

Deutsch-türkische Autoren wie Feridun Zaimoglu ("Liebesbrand") berichteten von ihren Erfahrungen mit zwei Kulturen und zwei Sprachen. Der türkische Nobelpreisträger Orhans Pamuks kündigte an, sein "Museum der Unschuld" werde 2010 in Istanbul eröffnet. In dem Museum sollen Gegenstände ausgestellt werden, die in Pamuks gleichnamigem Roman eine wichtige Rolle spielen und die der Autor selbst gesammelt hat. Ein Teil des geplanten Museums sollte zur Buchmesse in der Frankfurter Kunsthalle Schirn ausgestellt werden, doch die Schau wurde abgesagt, weil das Museum sich verzögert hatte.

Historiker präsentieren Neuerscheinungen

Neben Autoren waren am zweiten Buchmessentag zahlreiche Schauspieler gekommen: Mario Adorf zum Beispiel klagte über den Niedergang der Bühnensprache. Auch einflussreiche Historiker waren unter den Gästen. Der in London lebende Historiker Peter Longerich stellte eine Biografie des SS-Führers Heinrich Himmler vor. Der sei in seiner Jugend ein frauenfeindlicher Einzelgänger gewesen. Der britische Historiker Ian Kershaw präsentierte sein neuen Buch "Wendepunkte", in dem er zehn Schlüsselentscheidungen der Jahre 1940 und 1941 zusammengetragen hat, die das vergangene Jahrhundert entscheidend geprägt haben.

Ein von der satirischen Zeitschrift "Titanic" geplanter "Mohammed- Ähnlichkeitswettbewerb" sorgte für Aufregung am Rand der Buchmesse. Wegen "Sicherheits-Bedenken" habe die Stadt Frankfurt die für Samstag geplante Lesung kurzfristig abgesagt, beklagte sich "Titanic"-Chefredakteur Leo Fischer. Offiziell hatte das Historische Museum, in dessen Räumen die Veranstaltung stattfinden sollte, den Termin aus Platzgründen abgesagt.

E-Book ist weiter Thema

Das E-Book sorgt derweil weiter für Gesprächsstoff. Die Autorin und TV-Moderatorin Elke Heidenreich ist skeptisch, Verleger Florian Langenscheidt begeistert, wie eine dpa-Umfrage ergab. "Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo ist schon jetzt ein großer E-Book-Fan, während Autor Feridun Zaimoglu nicht einmal einen Computer besitzt.

Literaturagent Andrew Wylie mahnte an, die Branche müsse schnell klare Wettbewerbsbedingungen für das digitale Buch entwickeln. Beide Versionen müssten im ersten Jahr zum selben Preis verkauft werden, um eine Bevorzugung der E-Books zu verhindern. (Sandra Trauner/dpa)

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