Erlinger vs. Martenstein im DT : Ampeln, Raucher, Nazis

Nahkampf in Moralfragen: Harald Martenstein und Rainer Erlinger treten im Deutschen Theater gegeneinander an. Das Publikum stimmt ab.

Nadine Lange
Deutsches Theater Berlin "MARTENSTEIN UND ERLINGER: DIE MORALSHOW"
Ganz nah dran. Erlinger, Martenstein.Foto: Iko Freese / DRAMA

Eigentlich hat der gute alte Immanuel Kant das Thema Moral schon relativ abschließend beackert: „Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte“, formulierte er 1788 in seiner „Kritik der praktischen Vernunft“. Doch der Kategorische Imperativ scheint schon seit einer Weile aus der Mode gekommen zu sein, vielleicht ist er auch etwas zu praxisfern.

Hilfe in kniffligen Moralfragen geben heute dankenswerterweise Kolumnisten wie Rainer Erlinger, der seit sechseinhalb Jahren im Magazin der Süddeutschen Zeitung „Gewissensfragen“ der Leserschaft beantwortet. Für den Tagesspiegel und das Magazin der Zeit zerbricht sich Harald Martenstein regelmäßig den Kopf in Sachen moralisches Verhalten im Alltag. Erlinger fiel irgendwann auf, dass sich die beiden mit sehr ähnlichen Fragen auseinandersetzten, aber zu höchst unterschiedlichen Ergebnissen kamen. „Er ist rigoros und ich mehr laisser-faire,“ sagt Martenstein.

Die Zuschauer zeigen rote und grüne Karten

Nun stellen die beiden ihr bisheriges Fernduell in den Nahkampfmodus um: In den DT- Kammerspielen werden sie zunächst aus ihren Kolumnen lesen und anschließend darüber diskutieren. Es geht um Fragen wie: „Ist es in Ordnung, dass Helmut Schmidt trotz Rauchverbot überall raucht?“ oder „Darf man bei Rot über die Ampel gehen?“

Nach jeder Frage kann das Publikum mittels roten und grünen Karten darüber abstimmen, wessen Argumente sie mehr überzeugt haben. Erlinger und Martenstein planen ihre Moralshow zunächst vier Mal. Themen werden unter anderem Nazis sowie Sex und Partnerschaft sein.

Deutsches Theater, Kammerspiele, ab Mittwoch 29.10.,  20 Uhr, 14 €.

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