Eröffnungsfeier der Buchmesse : Schöner Kulissenzauber

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse alle Besucher aufgefordert, dem Gastland China mit "großer Neugier" zu begegnen. Über Publikationsverbote, Exilchinesen oder Zensurbestimmungen fiel kein Wort.

Gerrit Bartels

Es hat schon härtere Einlasskontrollen bei der Eröffnungsfeier einer Buchmesse gegeben, im letzten Jahr zum Beispiel, als der türkische Staatspräsident Abdullah Gül zu Gast war; und es hat schon zupackendere Eröffnungen gegeben, mit zupackenderen Reden. Das ist insofern enttäuschend, als dass nach den diversen Fehltritten der Chinesen im Vorfeld der Messe, dem unsouveränen Verhalten der Frankfurter Buchmesse und überhaupt dem in Anschluss daran höchst kontrovers diskutierten Gastlandauftritt Chinas genug Zündstoff vorhanden war. Doch beschränkte sich das Ganze mehr auf einen schönen Kulissenzauber, der nicht zuletzt durch die bunt leuchtende Bücherdekoration auf der Bühne und die jeden Rednerauftritt mit einem musikalischen Intro anmoderierende Jazz Bigband etwas Harald-Schmidt-Showhaftes hatte. Zumal das Publikum jedes Mal aus dem Off animiert wurde, Redner X oder Y mit Applaus zu begrüßen.

Immerhin betonte Börsenvereinsvorsteher Gottfried Honnefelder, dass es kein Gesichtsverlust sei, wenn die Buchmesse sich wegen der Ausladung von zwei chinesischen Autoren zu einer Vorkonferenz entschuldigen würde; immerhin outete sich Roland Koch als großer Tibet-Fan; und immerhin hegte Chinas Vizepräsident Xi Jinping die Hoffnung, dass sich durch den Gastauftritt Chinas das geistige und kulturelle Leben bereichern möge. Und es fiel zwar kein Wort über Publikationsverbote, Exilchinesen oder Zensurbestimmungen, aber es war doch viel von „Austausch“, „Dialog“ und „Grenzenlosigkeit“ die Rede, von fruchtbaren Begegnungen und Diskussionen. Und Bundeskanzlerin Angela Merkel blieb es dann überlassen, das Schlusswort zu setzen und daran zu appellieren, dass es „keine Tabus“ in der Diskussion geben dürfe. „Seien Sie neugierig“, empfahl Merkel, „haben Sie keine Vorurteile und scheuen Sich nicht Fragen zu stellen. Denn Neugier schafft erst Diskussionen“. Daran kann man sich während der Buchmessentage problemlos halten. Dass Angela Merkel nicht gerade eine der neugierigsten ist, schon gar nicht in Sachen Kultur, steht da schließlich auf einem ganz anderen Blatt.

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