Frankfurter Buchmesse : 350 türkische Autoren werben für die Vielfalt ihres Landes

Mit Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk an der Spitze wird sich die Türkei im Oktober als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse präsentieren - als weltoffenes, aber auch selbstkritisches Land. Über 250 Veranstaltungen in ganz Deutschland sind geplant.

Frankfurt/MainAls Land der Vielfalt will sich die Türkei auf der diesjährigen Buchmesse präsentieren. Rund 350 Autoren und 100 Verlage sind das Aushängeschild des in die EU strebenden Landes auf der weltgrößten Bücherschau. Unter den in Frankfurt erwarteten Autoren befindet sich auch Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk. Bundesweit sind im Rahmen des Gastlandauftritts rund 250 Veranstaltungen geplant. Dies kündigten die türkischen Organisatoren am Donnerstag in Frankfurt an.

Auf dem Programm stehen nach Angaben der Organisatoren Lesungen, Musik-, Tanz- und Theateraufführungen sowie Ausstellungen. Daneben soll es Podiumsdiskussionen und Workshops zu Themen wie "Meinungsfreiheit" oder "Die Last mit der Vergangenheit" geben. Zur Eröffnung der Messe will neben Pamuk, der 2006 den Nobelpreis erhielt, der türkische Staatspräsident Abdullah Gül kommen.

Mit dem Gastlandauftritt will die Türkei "die gesamte Bandbreite türkischer Literatur, das historische Kulturerbe sowie die modernen Facetten des Landes" dem internationalen Publikum näher bringen, wie es hieß. Man werde sich aber - als Land im Umbruch - auch der politischen Diskussion stellen. Die Türkei habe in den vergangenen Jahren große Fortschritte bei der Demokratisierung gemacht. Derzeit befinde sich kein einziger Autor wegen kritischen Äußerungen in Haft. Seit wenigen Tagen strahle das staatliche Fernsehen auch Programme in nicht- türkischen Sprachen aus.

Türkei als Brücke zwischen Asien und Europa

Gestartet bereits zur Leipziger Buchmesse Mitte März wird sich das Ehrengastprogramm über das gesamte Jahr 2008 erstrecken. Örtlicher Schwerpunkt für die Veranstaltungen ist neben Frankfurt Berlin. Auf der Buchmesse selbst, die vom 15. bis 19. Oktober dauert und in diesem Jahr ihre 60. Auflage erlebt, wird sich die Türkei auf einer Fläche von über 4000 Quadratmetern den Besuchern vorstellen.

Buchmessen-Chef Juergen Boos bezeichnete die Türkei als Brücke zwischen Asien und Europa. Er wies zugleich auf die über drei Millionen in Deutschland lebenden Türken hin. "Wir wünschen uns, dass Funken sprühen", sagte Boos zu den Erwartungen an den Ehrengast. Die Buchmesse lädt seit über 30 Jahren ein Gastland ein. Im vergangenen Jahr war dies die katalanische Kultur, im kommenden Jahr kommt China.

Zur Buchmesse werden rund 220 türkische Titel - davon rund 70 in der Belletristik - ins Deutsche übersetzt. Seit 2005 fördert die Türkei Übersetzungen in andere Sprachen. Bei insgesamt 1700 Verlagen liegt der Umsatz der Branche bei etwa 600 Millionen Euro. (nim/dpa/ddp)

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