Frankfurter Buchmesse : Katalanische Kultur mit 130 Autoren

Rund 130 Schriftsteller werden im Oktober als Ehrengäste auf der Frankfurter Buchmesse die katalanische Kultur repräsentieren - allerdings ohne Spanisch schreibende Erfolgsautoren aus Katalonien

Frankfurt/MainRund 130 Schriftsteller werden im Oktober als Ehrengäste auf der Frankfurter Buchmesse die katalanische Kultur repräsentieren - allerdings ohne Spanisch schreibende Erfolgsautoren aus Katalonien wie Eduardo Mendoza ("Die Stadt der Wunder") oder Carlos Ruiz Zafón ("Der Schatten des Windes"). Die spanische Region ist Partner der diesjährigen Messe. Wie die katalanischen Organisatoren berichteten, lehnten die spanische schreibenden Autoren die Einladung mit der Begründung ab, die Präsentation auf der weltgrößten Bücherschau gelte vor allem den auf Katalanisch schreibenden Autoren.

Um die Beteiligung der spanischschreibenden Autoren beim Buchmessen-Auftritt Kataloniens ist in Spanien eine heftige Debatte entbrannt. Katalonien, mit sieben Millionen Einwohnern wirtschaftsstärkste Region Spaniens, versteht sich nach einem im vergangenen Jahr verabschiedeten Autonomiestatut auch als "Nation".

Katalanische Kulter zurück ins Welt-Bewusstsein

Josep Bargalló vom Kulturinstitut Ramon Llull (Barcelona) bedauerte in Frankfurt den Sprachen-Streit und sagte, dass die Literatur in Frankfurt Vorrang haben werde. Katalonien mit dem angrenzenden katalanischen Sprachraum wolle eine ein Jahrtausend alte Kultur mit einer eigenen Sprache vorstellen, die in Spanien während der Franco-Diktatur unterdrückt worden sei. Jeder auf Spanisch schreibende Katalane könne sich aber beteiligen und werde bei dem Auftritt in Frankfurt "mit absoluter Normalität" behandelt, sagte Bargalló. Mit seinen rund sieben Millionen Einwohnern lebe Katalonien die Zweisprachigkeit vor. Das "neue Europa" könne nicht aus den Zentren entstehen, sondern aus den "Peripherien".

Die diesjährige Buchmesse (10.-14. Oktober) ist nach Ansicht ihres Direktors Juergen Boos der richtige Zeitpunkt, um die katalanische Kultur "ins Bewusstsein der Welt" zurückzuholen. "Europa ist nur möglich, wenn man plural denkt", sagte Boos. Deshalb sei es richtig, wenn die Katalanen die in ihrer Sprache schreibenden Autoren vorstellten, auch wenn sie oft weniger bekannt seien.

Außerdem: Konzerte und Ausstellungen

Zu den bekanntesten katalanischen Autoren in Frankfurt gehören Albert Sanchez-Pinol, Maria Barbal, Carme Riera und Quim Monzó. Die katalanische Buchindustrie mit einem Umsatz von 1,6 Milliarden Euro ist mächtig, da Barcelona auch Branchenzentrum für die gesamte spanischsprachige Welt ist. Es gibt rund 260 Verlage, von denen ein Drittel auch auf Katalanisch publiziert. In Europa wird Katalanisch - eine romanische Sprache - von rund 13 Millionen Menschen gesprochen.

Begleitet wird der katalanische Auftritt bei der Buchmesse mit Dutzenden von Konzerten und Ausstellungen, bei denen auch Werke der katalanischen Künstler Joan Miró oder Salvador Dalí gezeigt werden. Der renommierte Theaterregisseur Calixto Bieito wird in Frankfurt am Schauspiel ein katalanisches Stück inszenieren. Etwa 680 Künstler aus Katalonien haben sich angesagt. Die Organisatoren bezifferten die Gesamtkosten für die Buchmesse auf etwa 12 Millionen Euro. Seit einigen Monaten bereits versucht das Kulturinstitut Ramon Llull, mit Veranstaltungen in etwa 80 deutschen Städten das Interesse an der katalanischen Kultur und Sprache zu wecken. (mit dpa)

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