Frankfurter Buchmesse : Man liest deutsch

Ein riesiges Kulturfest mit 2500 Veranstaltungen und 1000 Autoren - und zugleich ein Branchentreff mit 7300 Ausstellern aus 110 Ländern: Die 59. Frankfurter Buchmesse will ihre Bestmarke aus dem Vorjahr erneut übertreffen.

Thomas Maier[dpa]
Buchmesse
300.000 Besucher erwartet die Frankfurter Buchmesse. -Foto: dpa

Frankfurt/MainDie weltgrößte Bücherschau ist aus Sicht ihres Direktors Juergen Boos inzwischen auch weltweit "zur bedeutendsten Medienmesse" geworden. Entscheidend sind für ihn "Inhalte": Wie ein Schwamm soll die Messe alles aufsaugen, das irgendwie mit dem Medium Buch zu tun hat. Vom Harry-Potter-Zauberstab bis zur Literaturfilm-DVD.

In der Tat spielen die Bücher gar nicht mehr die beherrschende, entscheidende Rolle: Die 380.000 ausgestellten Produkte sind nach Angaben der Messe längst nicht mehr nur Bücher. Allein 30 Prozent sind digitale Produkte. Zugleich will Boos die Messe wieder verstärkt auch zu einem gesellschaftspolitischen Forum machen - etwa durch die im vergangenen Jahr gestartete Initiative gegen den Analphabetismus.

Von Atzorn bis Zaimoglu

Im Blickpunkt des Publikums - es werden insgesamt rund 300.000 Besucher erwartet - stehen aber auch dieses Jahr wieder die Autoren: Die Palette der deutschen Schriftsteller reicht von Martin Walser bis zu Günter Grass, von Andrea M. Schenkel bis Feridun Zaimoglu. Dazu kommt erneut viel schreibende Prominenz aus Politik, Film oder Medien wie Klaus Wowereit, Joschka Fischer oder Ben Becker und Robert Atzorn. Unter den internationalen Autoren ragen Umberto Eco, die angelsächsischen Autoren Richard Ford und Fay Weldon sowie die israelischen Autoren Meir Shalev und Zeruya Shalev heraus. Die katalanische Kultur - der diesjährige Gast der Buchmesse - ist mit fast 150 Autoren aus ihrem fast 13 Millionen Menschen umfassenden Sprachraum vertreten.

Nicht nur die Katalanen hoffen, dass sie auf der Messe auf Interesse bei ausländischen Abnehmern stoßen. Noch immer ist Frankfurt führend beim Geschäft mit den Lizenzen von Büchern. Das Zentrum, wo Literaturagenten und Verlage um Rechte feilschen, wurde dieses Jahr vergrößert. Damit will Frankfurt auch die Konkurrenz - vor allem die aufstrebende Londoner Buchmesse - auf Distanz halten. "Nur in Frankfurt kommen einmal im Jahr so viele Rechtehändler und Verleger aus allen fünf Kontinenten zusammen", sagt Boos.

Angst vor Digitalisierung

Für die Fachbesucher ist die rasant voranschreitende Digitalisierung in der Branche einer der Schwerpunkte. Dabei geht es nicht nur um die Verlagerung des Buchmarkts ins Internet vor allem im Wissenschaftsbereich, sondern auch um Antworten auf die Herausforderung durch Google. Der US-Suchmaschinenbetreiber will weltweit möglichst viele Bücher zumindest in Teilen kostenlos ins Internet stellen. Dies lässt die Verlage um ihr Geschäft fürchten.

Das Interesse aus den USA an der Messe ist nach einem Rückgang im Zuge der Terrorangriffe im September 2001 wieder gestiegen. Insgesamt kommen 637 Aussteller aus den Vereinigten Staaten. Nur Großbritannien (797) und Deutschland (3273) bieten mehr. Immer stärker wächst das Interesse aus Fernost, insbesondere aus China, das mit 160 Ausstellern vertreten ist.

Die Dynamik der Buchmesse könnte in diesem Jahr auch den deutschen Buchmarkt beflügeln, der nach langer Stagnation sich konjunkturell belebt. Der Handel meldete für das erste Halbjahr ein Plus von über vier Prozent. Und der am 27. Oktober auf Deutsch erscheinende letzte Harry-Potter-Band macht zugleich Hoffnung auf ein glänzendes Weihnachtsgeschäft.

Deutsche Autoren gefragt

Deutsche Autoren sind in den vergangenen Jahren wieder gefragt. Dafür stehen Namen wie Daniel Kehlmann, Frank Schätzing, Leonie Swann, Tommy Jaud sowie in jüngster Zeit die Krimis von Schenkel. Nach einer Aufstellung des Branchenmagazins "buchreport" kletterte die Zahl der deutschen Belletristik-Titel unter den Top 20 der "Spiegel"-Bestseller-Liste im ersten Halbjahr 2007 auf zehn. Ein Jahr zuvor waren es noch acht.

Als Gast der Buchmesse ist die katalanische Kultur und Katalonien zwar nicht so bunt und schillernd wie im vergangenen Jahr Indien. Doch das versuchen die kreativen Katalanen, mit einem Feuerwerk an Veranstaltungen wettzumachen. In Frankfurt und vielen anderen Städten werden neben Lesungen auch Ausstellungen, Konzerte und experimentelle Theaterstücke organisiert. Dafür investiert Katalonien, die wirtschaftsstärkste Region Spaniens, mit etwa 16 Millionen Euro mehr Geld als jedes andere Gastland zuvor. (mit dpa)

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