Franz Hodjak : Botschaft an niemanden

In seiner Lyrik liebt Franz Hodjak das Abwegige. Er ist ein lustvoller Skeptiker, dem es schwerfällt, irgendwo anzukommen - zum Glück für seine Poesie

Volker SielaffD

Es ist etwas Närrisches in Franz Hodjaks Gedichten, etwas ausgelassen Heiteres, das von der Groteske, vom Satyrspiel herkommt, ein luftig-leichter Ton, den man sofort wiedererkennt. In den Gedichten dieses siebenbürgischen Flaneurs ist, auch wenn es auf den ersten Blick so scheinen mag, kein Metaphysiker des Alltags unterwegs, sondern einer, der sichtlich desillusioniert ist und erst jetzt Sätze wie diese zu schreiben vermag: „Wenn ich / etwa vier Minuten eine Taube / auf dem Dach beobachte, ist das / Undefinierbare greifbar nahe. Das / gibt Mut, an niemanden / eine Botschaft zu richten.“

Ein Statement, das vielleicht doch eine Botschaft enthält: nämlich keinem zu glauben, der vorgibt, es ganz genau zu wissen.Der Dichter Franz Hodjak ist ein lustvoller Skeptiker, dem es, zum Glück für seine Poesie, schwerfällt, irgendwo anzukommen. „Ankunft Konjunktiv“, so hieß denn auch, das Unabgesicherte einer Existenz schon im Titel führend, sein dritter Gedichtband. Und dass Hodjak, der 1992 mit seiner Familie nach Deutschland übersiedelte, nun schon seit Jahren in Usingen im Taunus lebt, besagt dabei wenig. „Odysseus“ schreibt er im gleichnamigen Gedicht die Worte zu: „Den Gedanken / an Ankunft wies selbst / die Ankunft zurück / vor Entsetzen, / dieser letzten der Verlockungen / nicht widerstehen zu können.“ Nichts steht für den Mann mit dem wuchernden Bart so fest, dass er es nicht doch mit seinen Worten in Zweifel ziehen könnte. Das tut Hodjak auch in seinem Gedichtband „Die Faszination eines Tages, den es nicht gibt“, der eine neue Reihe des Verlegers Ralf Liebe mit eröffnet. Hodjak pflegt, was die Protagonisten seiner Gedichte angeht, eine Vorliebe fürs Abwegige: krummbeinige Chinesen, Narren, Emigranten (er ist selbst einer). Das Chaos in einer Mülltonne etwa, so Hodjak, könne nur der Narr Jakschi begreifen.

Alle Bücher der „Edition Die Tausend“ sind in dunkelblaues Leinen gebunden, fadengeheftet, und den pergamentenen Schutzumschlag ziert ein klassisches Gemälde. Monatlich soll ein neuer Band hinzukommen, jedes Buch kostet, unabhängig vom Umfang, 20 Euro. Dass der Verleger gleich noch mit einem zweiten Gedichtband aufwartet, Lutz Rathenows „Gelächter, sortiert“, verdient Anerkennung. Künftig soll es auch Prosa und erzählende Sachbücher geben. So sind gerade auch die „Czernowitzer Spaziergänge“ von Othmar Andree und der Roman „Wer fragt schon nach Kuhle Wampe“ der Peruanerin Teresa Ruiz Rosas erschienen. Volker Sielaff

Franz Hodjak: Die Faszination eines Tages, den es nicht gibt. Gedichte. Verlag Ralf Liebe, Weilerswist 2008. 96 S., 20 €. www.verlag-ralf-liebe.de

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