Harry Potter : Fortsetzung folgt

Für die Fans ist es noch lange nicht vorbei: Ein Fanclub schreibt im Geheimen an einem achten "Harry Potter"-Band. Dieser soll die aufgeworfenen Fragen des am Samstag erscheinenden letzten Romans beantworten.

Ralf Isermann[AFP]

BerlinDie Spannung war groß - der Frust danach auch: Als im Juli die englische Fassung des siebten Harry Potter erschien, gehörte Saskia Preißner zu den ersten Lesern. Die 21-jährige Berlinerin ist Leiterin des mit über 100.000 Mitgliedern angeblich größten Harry-Potter-Fanklubs in Europa, die Phantasiefigur von Joanne K. Rowling prägt seit sieben Jahren ihr Leben. Doch vom Ende der Serie ist Preißner tief enttäuscht, "das ist doch viel zu kitschig". Mit den Mitgliedern des HPFC plant sie deshalb ein literarisches Projekt: In den kommenden Monaten wollen sie einen achten Band schreiben, der die durch den am Samstag auf Deutsch erscheinenden siebten Band "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes" entstandenen Fragen beantwortet.

Obwohl die Spannung für sie raus ist - "es weiß doch mittlerweile jeder, dass Harry überlebt" - feiern Preißner und ihre Fanklub-Mitstreiter in großem Stil das Erscheinen des deutschen Harry Potter. Vom Ostbahnhof aus fahren sie in einer zum Hogwarts-Express umgebauten alten Dampflock durch Berlin, mit anschließender Feier in Kostümen. Es soll noch einmal ein Höhepunkt werden, bevor dann die bange Zeit beginnt. "Ich kann mir noch nicht vorstellen, wie es mit dem Fanklub jetzt weitergeht. Vielleicht interessiert sich ja in ein paar Monaten niemand mehr für Harry."

Die Studentin der Zahnmedizin steckt fast ihre gesamte freie Zeit in Harry Potter. Im Jahr 2000, zum Erscheinen des vierten Bands, legte die damals 14-Jährige zusammen mit ihrer da zehnjährigen Schwester Sarah bei den Eltern den Schwur ab, in jedem Jahr einen Notendurchschnitt mit einer 1 vor dem Komma nach Hause zu bringen. Im Gegenzug sollten sie ohne zeitliche Einschränkungen ihren Fanklub betreiben dürfen. Der Pakt ging auf.

Schreiben auf Rowling-Niveau

Aus mehr als 30 Ländern stammen die Mitglieder des Fanclubs, die sich vor allem im Internet unter der Adresse www.hpfc.de austauschen. Dabei handelt es sich nicht um Karteileichen. "Bei uns ist das Besondere, dass die Leute, die mitmachen, einen Aufnahmetest machen", sagt Saskia Preißner. Nur wer den besteht, wird einem der vier Häuser - die Zauberschule Hogwarts lässt grüßen - zugeteilt. Und nur wer nach seiner Aufnahme alle halbe Jahre an Tests teilnimmt, bleibt in der Gemeinschaft der Zauberschüler.

Für Saskia Preißner ist die Organisation des Fanklubs eine tägliche Aufgabe. Sie koordiniert ehrenamtlich einen Stab von mittlerweile 140 Mitarbeitern. Dabei handle es sich zum großen Teil um Erwachsene, etwa Lehrer und Referendare, die die 20 verschiedenen Schulfächer in der virtuellen Harry-Potter-Welt vorbereiten. Etwa zwei bis vier Stunden stecke sie jeden Tag in die Clubarbeit, sagt Preißner. Falls sie das an einem Tag nicht schaffe, müsse sie die Zeit an einem anderen Tag nacharbeiten. Geld verdiene sie damit aber nicht, sogar auf den Kosten von 60 Euro monatlich für den Betrieb der Webseite bleibe sie sitzen. Weder der Carlsen-Verlag, wo die Harry-Potter-Bücher erscheinen, noch Warner Bros. als Inhaber der Filmrechte hätten Interesse an Zusammenarbeit mit den Fans gezeigt.

Mit Warner Bros. erlebte Saskia Preißner zudem schon einen Rechtsstreit: Sie hatte gemeinsam mit ihrer Schwester ein Buch zu Harry Potter geschrieben, gegen dessen Veröffentlichung sich der Medienkonzern erfolgreich wehrte. Aus dem Grund soll der geplante achte Band auch mit größtmöglicher Geheimhaltung erarbeitet werden. Die Club-Mitglieder können zwar die Handlung mitgestalten, in dem sie abstimmen, welche Abenteuer Harry noch erleben und wie seine Schullaufbahn weitergehen soll. Das eigentliche Schreiben soll aber in einem ausgesuchten Autorenkreis stattfinden, dessen Arbeit von einem Fangremium darauf überprüft wird, ob die Texte das Rowling-Niveau haben. Ob der Band angesichts der drohenden Klagen je veröffentlicht wird, scheint fraglich. Zumindest im HPFC werden die Fans wissen, wie es mit Harry weitergeht.

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