Harry Potter : "Joanne K. Rowling ist eine begnadete Sprachbeherrscherin"

Ein fränkischer Gymnasiallehrer entschlüsselte die Namensgebung der Harry Potter-Bände und veröffentlichte daraufhin ein Sachbuch. Nach einer drohenden Unterlassungsklage vom US-Medienunternehmen Time Warner muss Rudolf Hein seine Erkenntnisse für sich behalten.

Frank G,ermann[ddp]
Hein
Ein Buch für die Schublade. Rudolf Hein darf seine Erkenntnisse zur Namensfindung der "Harry Potter"-Bände nicht veröffentlichen....Foto: ddp

Ebern/BambergBereits die Startauflage wäre zauberhaft gewesen. Jeweils 100.000 Exemplare der deutschen und englischen Ausgabe hätten weltweit erscheinen sollen. So war es geplant. Für sein erstes Buch hatte Gymnasiallehrer Rudolf Hein, der im unterfränkischen Ebern unterrichtet und im oberfränkischen Bamberg lebt, im Sommer 2001 die interessantesten Namen von Figuren, Gegenständen und Orten aus den "Harry Potter"-Romanen sprachwissenschaftlich untersucht. Das Ergebnis seiner akribischen Arbeit erschien noch im selben Jahr als 160-seitiges Buch in einem Bamberger Kleinverlag. Innerhalb kurzer Zeit wurden drei Auflagen mit insgesamt 15.000 Exemplaren verkauft, wobei das Buch sogar mehrere Stunden lang auf Platz 1 des Internet-Buchhändlers Amazon stand.

2002 hätte das Sachbuch dann in einer erweiterten Zweitauflage im Deutschen Taschenbuch Verlag erscheinen sollen, der bereits die Rechte erworben hatte. Soweit schien alles geregelt zu sein. Doch dann meldete sich eine Berliner Rechtsanwaltskanzlei im Auftrag des US-Medienunternehmens Time Warner und drohte mit einer Unterlassungsklage. Bis heute ist das geplante Buch mit dem erweiterten Zusatz über die Namen magischer Tiere nicht erschienen.

Das Spiel mit der Sprache

"Die Namen haben mich fasziniert", schwärmt der 53-jährige Englisch- und Französisch-Spezialist noch heute. So habe es ihm richtig Schwierigkeiten und sehr viel Spaß bereitet, die codierten Namen herauszubekommen. "Joanne K. Rowling ist eine begnadete Sprachbeherrscherin", die es wunderbar verstehe mit Sprache zu spielen, lobt Hein die Potter-Erfinderin. "Man merkt, dass sie eine philologisch gebildete Frau ist."

Die Autorin setzte die Namen von Figuren, Orten und Tieren aus "allen Varianten" zusammen, die der Lehrer entschlüsselte. "Sie ist viel mit der Eisenbahn gefahren." Dementsprechend habe sie beispielsweise zahlreiche Ortsangaben in ihre Namens-Kreationen eingebaut. Der unerbittliche Zauberlehrer Severus Snape etwa beinhaltet gleich mehrere Anspielungen. "Snape ist ein Ortsname, der zweimal in England vorkommt, und es ist gleichzeitig ein altes englisches Wort für 'Kinderquälen'." Besonders begeistert war der Englisch- und Französischlehrer jedoch von den Namen der magischen Tiere. "Da war sie richtig fantasievoll. Das waren die härtesten Nüsse."

Anwaltskosten statt Ruhm und Ehre

Dass sich die fertige Untersuchung der Tiernamen bis heute unveröffentlicht in Heins Schublade befindet, liegt an einer schlichten Risikoabschätzung. "Da es im Wettbewerbsrecht keine Rechtschutzversicherung gibt, hätte ich das volle Prozesskostenrisiko tragen müssen", sagt Hein. Das Buchprojekt der erweiterten Zweitauflage wurde somit "eingestampft". Übrig blieben für den Autor Verfahrens- und Rechtsanwaltskosten in Höhe von 1700 Euro.

Auch heute denkt der 53-Jährige ab und zu noch nach, was gewesen wäre, wenn sein Buch veröffentlicht worden wäre. "Dann würde ich sicherlich ein anderes Auto fahren", sagt er. Seinen Job als Lehrer hätte er aber auch als Bestsellerautor behalten. "Dafür macht er mir einfach zu viel Spaß."

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