Literatur : Hilfe beim Seelebaumeln

„52 Wochenenden“ mit Jens Friebe

Daniel Völzke

Dass man mit ihm erbauliche und aufregende Dinge erleben kann, ahnte man schon. Dass es aber so lustig werden würde, nicht unbedingt. Mit den schmissigen Melodien und den feinsinnigen Texten seiner Songs verschafft der Popmusiker Jens Friebe wahlweise kleine Kicks und große Räusche. Besonders das 2005er-Album „In Hypnose“ ist eine einzige Verführung. Friebe singt von Abenden voller Glück, der Rettung durch Schnaps, vom Bungeespringen zu zweit. Alles bitte noch ein letztes Mal – bevor die Jugend vorbei ist, die Liebe sich verflüchtigt. Bevor man erwacht aus dem somnambulen Zustand zwischen Erregung und Erschöpfung.

Jetzt legt Friebe mit „52 Wochenenden“ einen Kolumnenband vor, der beweist: Ein inspirierter Geist langweilt sich niemals. Egal, ob auf einem Schützenfest, beim Vorglühen zu Hause oder fiebrig im Bett. Der 32-jährige Friebe erzählt in 52 Prosaminiaturen von Auftritten in der Provinz, neuen Clubs in Berlin oder der Zeit im Studio. Er feiert Weihnachten mit den Eltern, fährt nach Japan, trifft andere halbbekannte Leute. Und beweist sein Talent als Autor. Je unspektakulärer die Wochenendbeschäftigungen, desto verwegener die Gedankengänge. Über das Geräusch der Waschmaschine zum Beispiel, „das einem das Gefühl gab, was zu erledigen, während man doch in Wahrheit überhaupt nichts tat“. Das Exaltierte der Friebe-Songs weicht in diesen Kolumnen einer auf Zustimmung und feinsinnigen Witz getrimmten Lakonie. Schreiben ist für den Sänger eine Nebenbeschäftigung, diese Beiläufigkeit tut den Texten gut. Hier erfüllt sich der Traum der Boheme: Die Ideen gären beim „Ausgehen und Rumstehen“, wie die taz-Kolumne heißt, in der Friebe sich in gleicher Manier an seine Nachtlebenerlebnisse erinnert.

Bruder Holm Friebe schrieb jüngst der „Digitalen Boheme“ ein Manifest und verklumpt darin Leben und Job jenseits der Festanstellung. Jens Friebe setzt noch klassisch auf die Einteilung der Ewigkeit in Ruhe- und Werktage. Jedes Wochenende will bewusst erlebt sein, 52-mal im Jahr. Denn: „Die Seele baumelt auch nicht von allein.“ Dieses Buch kann helfen. Daniel Völzke

Jens Friebe: 52 Wochenenden. Texte zum Durchmachen. Kiwi Paperback, Köln 2007, 188 Seiten, 8, 95 €.

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