Ingeborg-Bachmann-Preis : Halbzeitbilanz: Hohes Niveau und sachliche Debatten

Durchgehgend hohe Qualität der Beiträge und eine große Bandbreite der literarischen Themen prägen den diesjährigen Wettbewerb. Bislang konnte sich aber noch keiner der Teilnehmer in die Favoritenrolle schieben.

Irmgard Schmidmaier[dpa]
Bachmann-Preis
Die Jury zeichnet sich durch Sachlichkeit und Fairness aus. -Foto: TDDL

KlagenfurtTexte auf durchgehend hohem Niveau und sachliche Debatten in der Runde der Kritiker haben in Klagenfurt zur Halbzeit den diesjährigen Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis geprägt. Trotz einiger starker Texte war bisher noch kein klarer Favorit auszumachen. Die Bandbreite der literarischen Themen und Stilvarianten reichte von klassischem Erzählen bis zur sprachmusikalischen Performance, von verstörenden Familien- und Beziehungsgeschichten bis zur Schilderung des Freitods eines Kosmonauten im All.

Die Kandidaten, die von den neun Juroren eingeladen worden waren, beschäftigen sich in ihren Texten hauptsächlich mit privaten, persönlichen Themen und Szenerien. Handwerklich versiert, präsentierten sie dabei sehr divergierende stilistische Zugänge. Da berichtete der in Tschechien geborene Wiener Michael Stavaric im Rückblick eine Dreiecks-Geschichte mit latenter Mordfantasie, Silke Scheuermann aus Frankfurt/Main schilderte mit gekonnten Anspielungen und unterschwelligen Hinweisen eine spannungsreiche Familiensituation.

Klarer Favorit noch nicht erkennbar

Der Schweizer Dieter Zwicky forderte mit einer Beziehungsgeschichte in irritierend skurriler Sprache eine leidenschaftliche Diskussion in der Jury heraus und setzte damit einen der Glanzpunkte in der Reihe der bisherigen Lesungen. Denn auch wenn sich die Jury mit viel Interesse für die einzelnen Texte um eine fundierte Auseinandersetzung auf einer übergeordneten Ebene bemühte, gaben die Beiträge bislang wenig Anlass für Grundsatzdebatten.

Äußerst gegensätzliche Beiträge fanden gleichermaßen Anklang wie Widerspruch bei den Kritikern. So konterkarierte der Berliner Autor Lutz Seiler mit seinem Prosa-Auszug "Turksib" in gekonnt klassischer Erzählmanier die Suche nach neuen Formen literarischen Ausdrucks, die prägnant etwa Jörg Albrecht mit seiner musikalischen Performance zu seinem Text "von Schläfe zu Schläfe".

Einzelne polemische Einwürfe lockerten die Diskussionen auf, generell ging die Jury jedoch mit großer Sachlichkeit und Fairness an die Texte heran. Wenige Beiträge konnten die Kritiker geschlossen begeistern, genauso blieben aber auch einmütige Ablehnungen aus. Insgesamt präsentierte sich der Wettbewerb in seiner 31. Runde zur Halbzeit als niveauvolle literarische Veranstaltung, die eine große stilistische Vielfalt versierter Autoren präsentierte, jedoch keine klaren Höhepunkte erkennen ließ.

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