Insolvenz : Der Aufbau-Verlag macht volle Pulle weiter

Kämpferische Stimmung am Hackeschen Markt in Berlin: Mit Transparenten wie "Wir sind Aufbau" gehen die Mitarbeiter des insolventen Aufbau-Verlages in die Offensive. Dabei werden sie von einem optimistisch gestimmten Insolvenzverwalter unterstützt, der "sehr gute Chancen für eine Sanierung" des Unternehmens sieht.

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Die Geschäftsführer des Aufbau-Verlages, Rene Strien (links) und Tom Erben. -Foto: dpa

BerlinDer Berliner Aufbau-Verlag will seinen Geschäftsbetrieb auch nach der Insolvenz aufrechterhalten. "Wenn die Autoren, Druckereien und Arbeitnehmer an einem Strang ziehen, wird der Aufbau-Verlag nicht untergehen", betonte der als vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzte Rechtsanwalt Joachim Voigt-Salus am Montag. Zwar sei der Verlag nach dem Rückzug von Verleger Bernd Lunkewitz zahlungsunfähig und "voraussichtlich" auch überschuldet, aber im Zuge des Insolvenzverfahrens sei zunächst vor allem das operative Geschäft ausschlaggebend.

Die Gehälter seien bis einschließlich August sichergestellt, zurzeit seien auch keine Entlassungen geplant. Alle Bücher des Herbstprogramms würden wie geplant erscheinen, die Vertreter sind seit Montag unterwegs. Auch der Lektor und Betriebsrat Andreas Paschedag stellte klar: "Wir machen volle Pulle weiter und werden uns nach der ersten Schockwelle hundertprozentig für den Verlag einsetzen!“ Der Anwalt rechnet mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens zum 1. September. Bis dahin hofft er auch, einen neuen Investor für die Verlagsgruppe gefunden zu haben. Er gehe auch davon aus, dass der Markenname Aufbau erhalten bleibe. Der Insolvenzverwalter will sich bis Ende der Woche auch mit Lunkewitz treffen.

Der "Suhrkamp des Ostens"

Der Autor Thomas Lehr ("Nabokovs Katze") nannte Aufbau einen "Suhrkamp des Ostens", der sich bisher auch durch gute Arbeitsbedingungen und Geschäftsbeziehungen ausgezeichnet habe. Er sei über den Schritt des Verlegers Lunkewitz schockiert, der einen so renommierten Verlag "mitleidlos untergehen lässt, ein Verleger hört doch nicht einfach auf, Verleger zu sein". Daher werde er „kein Buch mehr im System Lunkewitz veröffentlichen". In den nächsten 14 Tagen soll es auch eine Autorenversammlung geben. Zu ihnen gehören unter anderem Wolfgang Engler, Robert Schneider, Richard Wagner und Fred Vargas.

Geschäftsführer René Strien warf Lunkewitz in einem in der "Süddeutschen Zeitung" erschienenen Offenen Brief "Verrat" am Verlag und seinen Mitarbeitern vor. "Wir können uns das Vorgehen des Gesellschafters, das allen bisherigen Absprachen widerspricht, nur so erklären, dass er gegen die Treuhand pokert und den Verlag als Wetteinsatz zu opfern bereit ist", ergänzte Strien auf der Pressekonferenz. Es habe allerdings auch ein "empörendes Unrecht bei der Privatisierung des Verlages" gegeben. Hintergrund der jetzigen Ereignisse sind jahrelange Rechtsstreitigkeiten des Verlegers mit der früheren Treuhandanstalt um die wirklichen Eigentumsverhältnisse beim Verkauf des Verlages nach dem Ende der DDR.

Die Geschäftsführung des Verlages hatte am vergangenen Freitag Insolvenzantrag gestellt, "nachdem für diese überraschend der mittelbare Gesellschafter Lunkewitz seine Finanzierungsbereitschaft widerrief", wie der Insolvenzverwalter betonte. Dem Berliner Traditionsverlag sei es damit unmöglich geworden, fällige Verbindlichkeiten in Höhe von etwa fünf Millionen Euro auszugleichen. (sgo/ddp/dpa)

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