Internationale Literaturfestival Berlin : Alle haben ihren Preis

Ganz Berlin schaut morgen aufs Haus der Berliner Festspiele. Ganz Berlin? Na ja, zumindest der literaturbedürftige Teil. Natürlich ist es richtig, dem 9. Internationalen Literaturfestival Berlin (ilb) die gebührende Aufmerksamkeit zu schenken. Aber das ilb ist eben nicht alles.

Steffen Richter

Weil das literarische Leben nach der Sommerpause gerade wieder auf Touren kommt, liefert es jede Menge Gesprächsstoff.

Zum Beispiel naht der Deutsche Buchpreis. Die Longlist der 20 vermeintlich besten Romane des Jahres steht, nächste Woche wird sie zur auf sechs Titel reduzierten Shortlist, aus der auf der Frankfurter Buchmesse der Sieger gewählt wird. Und er geht forsch mit der Zeit, der Buchpreis. Erstmals haben die Mitglieder der Jury die Möglichkeit, sämtliche Bewerbertexte auf einem eigens bereitgestellten Sony-Reader zu lesen. Hoffentlich fällt die Entscheidung genauso avantgardistisch aus wie das technische Equipment. Aber natürlich bietet der Buchpreis auch sonst enormes Debattenpotenzial – im letzten Jahr hatte Daniel Kehlmann die Verleihung ein „entwürdigendes Spektakel“ genannt. Wer sich aus erster Hand über die Vergabe von Literaturpreisen informieren möchte, sollte am 14.9. (19 Uhr 30) ins Instituto Cervantes kommen (Rosenstr. 18, Mitte). Dort debattiert eine hochkarätige Runde in der Reihe Literarische Verhältnisse über Literaturpreise. Dabei sind die schwedische Schriftstellerin Kristina Lugn, die im Nobelpreiskomitee sitzt, die Jury-erfahrene Kritikerin Sigrid Löffler und der mit Preisen überhäufte katalanische Autor Enrique Vila-Matas.

Eine Frage stellt sich da zwangsläufig: Gibt es eigentlich Autoren ganz ohne Preise und Stipendien? Schauen wir mal: Eva Menasse etwa liest heute (20 Uhr) im Literarischen Colloquium (Am Sandwerder 5, Zehlendorf) aus ihren Erzählungen „Lässliche Todsünden“ (KiWi). Darin sucht sie nach der Sünde in der säkularisierten Welt – und wird fündig. Menasse hat einmal den Rolf-Heyne-Debütpreis gewonnen. Hm, das ist etwas mager. Aber vielleicht liegt das daran, dass sie vom Journalismus kommt und ein distanziertes Verhältnis zur Literatursubvention hat? Norbert Zähringer, der ebenfalls im LCB liest (10.9., 20 Uhr), hat zwar ein paar Stipendien, aber noch keinen Preis. Dabei ist er einer, dem man Preise wünscht. Sein neuer Roman „Einer von vielen“ (Rowohlt) erzählt die Geschichte des 20. Jahrhunderts in Dutzenden Geschichten, irgendwie zwischen Krieg und Kino – grob gesagt. Vielleicht klappt es ja bald mit einem großen Preis, auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis steht der Roman bereits.

Zuletzt haben wir dann am 14.9. (20 Uhr 30) Heinrich Steinfests „Gewitter über Pluto“ (Piper) in Lehmanns Fachbuchhandlung (Hardenbergstr. 5, Charlottenburg). Hier geht es um einen Pornodarsteller, der einen Strickwarenladen aufmacht. So schlicht freilich ist das alles nicht, schließlich gehört Steinfest zu den meistprämierten deutschsprachigen Krimiautoren. Wem all das nicht genügt, der marschiere ab morgen allabendlich zum Haus der Berliner Festspiele und erfreue sich der internationalen Festivalfülle.

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