James Sallis : Deine Augen hat der Tod

Vergrübelt: ein Agentenroman von James Sallis, der kein wirklicher Agentenroman ist. Es ist vielmehr die uramerikanische Geschichte von einem Mann auf der Suche nach sich selbst.

Werner van Bebber

Wieder unterwegs. Landstraßen, Motels, Coffeeshops. Wieder fährt ein Held von James Sallis durch Amerika. Doch anders als in „Driver“, wo ein Berufsfahrer die Hauptrolle spielt, geht es in „Deine Augen hat der Tod“ um einen Agenten, der einen Kollegen kaltstellen soll. Dabei hatte der Agent sich schon von der „Agency“ losgesagt und war Maler geworden.

Sallis ist Krimiautor, hard-boiled. Er schreibt lakonisch, schnell, dosiert brutal. Der Agent lauert zwei Verfolgern auf: „Dann lief der Junge hinter einem Baum in meinen Ellbogen und ging zu Boden. Sein Kopf lag auf Wurzeln. Blut rann aus seiner Nase, sammelte sich in seinem Kragen, benetzte sein Hemd und färbte es kastanienbraun. Er röchelte.“ Aber Sallis will nicht nur eine Agentengeschichte erzählen. Die Suche nach dem Ex-Partner führt in die Milieus und an die Orte, die der Agent von früher kennt und deshalb meiden wollte. Während er durch die Staaten fährt, vom Norden nach New Orleans, setzt sich in Erinnerungen sein Leben zusammen. Was wird er sein, am Ende der Reise?

Die Geschichte nimmt schnell Fahrt auf. Der Mann mit dem harten Ellbogen ist ein sympathischer Typ. Man würde gern ein Bier mit ihm trinken. Trotzdem ist er ein harter Knochen. Er will nicht mehr kämpfen. Verlernt aber hat er nichts. Er zweifelt nicht an seinem Auftrag und läuft zu alter Form auf, als seine Geliebte mit in die Sache gezogen wird. Das reicht für 200 dahinfliegende Seiten, auch wenn die Geschichte mit dem Ex-Kollegen und der „Agency“ im Halbdunkeln bleibt. Es ist dies nicht wirklich ein Agentenroman. Sondern die uramerikanische Geschichte von einem Mann auf der Suche nach sich selbst. Das klingt pathetisch – doch dieses Buch ist pathosfrei, schön vergrübelt und angenehm ironisch. Werner van Bebber

James Sallis: Deine Augen hat der Tod. Ein Roman über Spione. Aus dem Englischen von Bernd W. Holzrichter. Liebeskind, München 2008. 192 Seiten, 16,90 €.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben