Literatur : Jozef und seine Brüder

Jan Siebelink entdeckt christlichen Fundamentalismus

Tanja Langer

In diesem Roman herrscht von Anfang an eine unheimliche Spannung. Sie ergibt sich aus der Orientierungslosigkeit des Helden, der damit andere anzieht, die ihn manipulieren. Hans, dessen Leben wir mitverfolgen, wird in eine arme Familie in der Nähe von Arnheim in Holland hineingeboren. Der Vater schuftet in einer Ziegelei und wird von einer dunklen Religiosität beherrscht. Die Mutter stirbt früh, der Junge flüchtet in die Fantasie. Er geht fort und wird Gärtner. Ein Hiob, zieht er bald das Unglück an: Er heiratet seine Jugendliebe Margje, eine schöne, sinnliche Frau, bekommt mit ihr zwei Kinder und baut eine eigene Gärtnerei auf. Alles könnte gut sein, wäre da nicht sein Hunger nach Sinn, und wäre da nicht Jozef, der zu einer Gruppe von Laienpredigern gehört und Hans zu einem radikalen Calvinismus verführt.

Jan Siebelink, 1938 in Velp bei Arnheim geboren, ist, wie sein Roman „Im Garten des Vaters“ zeigt, ein raffinierter Kerl. Er bietet in der Gärtnerei, in der es nach Veilchen und exotischen Lilien duftet, dem Leser eine Übersichtlichkeit, die er in der Welt nicht findet, und Probleme des Alltags, in denen er seine eigenen erkennt. Man lernt etwas übers Blumenzüchten und das Wetter: Holland scheint in einer extremen Klimazone zu liegen, mit großer Hitze und eisiger Kälte und wütenden Stürmen. In einem solchen Sturm vernimmt Hans dann auch die Stimme seines Herrn. Hans wird von Jozef und dessen Brüdern eingelullt, obwohl sie schlecht riechen und sonderbare Dinge reden, von der Sünde und dem Ende der Welt. Hans entzieht sich seiner Familie und seiner Arbeit. Er haut das Geld für überteuerte Erbauungslektüre raus, obwohl er die Miete und die Kohlen kaum zahlen kann.

Siebelink nimmt den Leser an die kurze Strippe, und das macht „Im Garten des Vaters“ so ärgerlich wie offenbar erfolgreich – in Holland zumindest. Jedes Kapitel ist spannungsgeladen bis zum Bersten, jedes Kapitel bringt ein Fünkchen Hoffnung – und enttäuscht sie wieder. Man weiß schnell, wie der Hase läuft. Demütigung folgt auf Demütigung; Facetten der religiösen Fanatisierung werden aufgeblättert.

Siebelink schildert die Ideenwelt der Mystiker, die sich als Nachfahren der militanten Reformatoren der 16. Jahrhunderts sehen, eher suggestiv als informativ. Alles klingt wie Mittelalter und spielt doch bis in unsere Tage, die seltsam konturlos bleiben. Ein Buch, das klug hätte werden können, wenn Siebelink nicht so sehr nach dem großen Publikum geschielt hätte. Tanja Langer

Jan Siebelink: Im Garten des Vaters. Roman. Aus dem Niederländischen von Beate Bach. Arche Verlag, Hamburg 2007. 522 Seiten, 24 €.

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