Leipziger Buchmesse : Dankbar sein - nicht immer leicht

Sibylle Lewitscharoff und Herfried Münkler wurden auf der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. Es war ein großes Bedanken bei der Preisverleihung, die routiniert und flau über die Bühne ging.

Gerrit Bartels

Sibylle Lewitscharoff zumindest hatte sich ein hintersinniges Sätzlein überlegt, als ihr für ihren Roman „Apostoloff“ der Belletristik-Preis der Leipziger Buchmesse verliehen wurde. „Anders als die Erzählerin in meinem Roman und auch anders als Thomas Bernhard bin ich eine sehr freundliche Person und bedanke mich sehr für diesen Preis“, sagte Lewitscharoff am Donnerstagnachmittag im Glashaus der Messehallen, ohne spürbare Gefühlsregungen erkennen zu lassen.

Sie wird sich wohl mehr innerlich gefreut haben. Wie bestimmt auch Herfried Münkler, der den Sachbuchpreis für „Die Deutschen und ihre Mythen“ gewann und brav seiner Frau und seinem Arbeitgeber, der Humboldt Universität, Dank abstattete. Und wie Eike Schönfeld, der für seine Übersetzung von Saul Bellows Roman „Humboldts Vermächtnis“ einen Preis bekam und sich beim Deutschen Übersetzerfonds und bei seiner Lektorin Bärbel Flad bedankte.

Es war also ein großes Bedanken bei dieser Verleihung, die routiniert und flau über die Bühne ging. Wie öde und quälend das Reden-, Vorstellungs- und Laudatio-Prozedere alle Beteiligten vermutlich selbst finden, ließ einmal mehr der Jury-Vorsitzende Ulrich Greiner erkennen, als er, wie schon 2008, die von seiner Kollegin Ina Hartwig vorbereitete Kurz-Laudatio auf Lewitscharoff glatt vergaß und schnell zum Ende kommen wollte. Dass Greiner noch einmal mit der Kritik abrechnete, die im Herbst am Deutschen Buchpreis und seinem Regelwerk laut wurde (und zur Preis-Folklore ja dazu gehört), trug zur Flauheit der Veranstaltung genauso bei wie der Auftritt von Kulturminister Bernd Neumann. Es war unfreiwillig komisch, was Neumann da an Stanzen zum Besten gab, von der „Messe des Lesens und der Leser“ bis zum „Marktplatz der Ideen“, von den Risiken und Chancen, na klar, der Digitalisierung und des E-Books bis zu seinem Bekenntnis zur Buchpreisbindung.

Dass der mit seinem langen Bart großartig wie ein Waldschrat aussehende Andreas Maier da lieber hinten sitzen wollte, konnte man nur zu gut verstehen. Und auch das Fehlen von Daniel Kehlmann, der erst am Freitag auf die Messe kommt. Ein gezielter Affront, der damit zu tun hat, dass Kehlmann letztes Jahr den Deutschen Buchpreis kritisiert hatte. Vor allem die Anwesenheitspflicht für die Autoren war ihm ein Dorn im Auge.

Das Nicht-Kommen trotz Nominierung kann man deshalb nur als konsequent bezeichnen, zumal er den Preis eh nicht bekommen hätte. Genauso wenig wie Wilhelm Genazino, der sich als Büchner-Preisträger immerhin schon ein zweites Mal zu einer solchen Verleihung bequemte und alles andere als glücklich aussah (sieht er aber sowieso nur selten).

Lewitscharoff ist eine würdige Preisträgerin, genau wie Münkler und Schönfeld; nur würde man sich für 2010 im Bereich Belletristik mal wieder einen richtig jungen Autor, eine oder einen Clemens Meyer, eine Überraschung wie etwa Thomas Klupp zumindest bei den Nominierungen wünschen. So vorhersehbar war die Auswahl – und letztlich Lewitscharoff als Siegerin – noch nie. 

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