Lesestoff : Raffael Scheck: Hitlers afrikanische Opfer

Mit dem Streit um die Ausstellung zur "Dritten Welt im Zweiten Weltkrieg" in Berlin ist ein Thema ins Interesse der Öffentlichkeit gerückt, dem auch die Wissenschaft bisher wenig Aufmerksamkeit geschenkt hatte.

Ulrich van der Heyden

Als der in den USA lehrende deutsche Historiker Raffael Scheck vor drei Jahren eine Untersuchung über Hitlers afrikanische Opfer veröffentlichte, rief sie daher große Resonanz hervor. Scheck zeigt, dass der Überfall der Wehrmacht 1940 auf Frankreich durchaus kein ritterliches, dem Kriegsrecht verpflichtetes Unternehmen war. Er deckt in seinem Buch einige Massaker und auf Rassismus begründete Morde auf, die die Deutschen an den auf französischer Seite kämpfenden Tirailleurs Sénégalais begingen. Auch wurden gefangen genommene afrikanische Soldaten in den deutschen Kriegsgefangenenlagern zum Teil unwürdig behandelt – und schlechter als die weißen Franzosen. Einige von ihnen erregten die Aufmerksamkeit deutscher Wissenschaftler, die sie aus „rassehygienischen Gründen“ vermaßen und anatomisch untersuchten; andere mussten als Sprachquellen für Linguisten und Afrikanisten zur Verfügung stehen. In der Nachkriegszeit hatte die Regierung in Paris kein Interesse an einer Popularisierung des Schicksals ihrer ehemaligen Kämpfer, denn dann hätte sie diese besser oder überhaupt erst einmal für ihre Dienste entschädigen müssen. Dies geschieht bekanntlich erst seit einigen Jahren, die afrikanischen Soldaten bekommen die gleiche Rente wie die französischen Kriegsteilnehmer. In Afrika selbst verbreiteten zwar die heimkehrenden Veteranen des Weltkrieges das Wissen um die Massaker und um die unmenschlichen Bedingungen in den deutschen Kriegsgefangenenlagern. Doch durch die dramatischen Ereignisse im Vorfeld der nationalen Unabhängigkeit der französischen Kolonien in Westafrika in den 50er Jahren trat die Erinnerung an die von den Deutschen begangenen Kriegsverbrechen in den Hintergrund. Umso wichtiger ist es, dass dieses trotz seiner wissenschaftlichen Nüchternheit aufrüttelnde und ausgewogen argumentierende Buch nun auf Deutsch vorliegt.

Raffael Scheck: Hitlers afrikanische Opfer. Die Massaker der Wehrmacht an schwarzen französischen Soldaten. Assoziation A, Hamburg 2009. 196 Seiten, 20 Euro.

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