Literatur : LESESTOFF

Hannes Schwenger

Bahman Nirumand:

Der unerklärte Weltkrieg. Akteure und Interessen in Nah- und Mittelost. Booklett Verlag, Berlin 2007. 256 Seiten, 18,90 Euro.

Die Rede von einem neuen Weltkrieg hat Konjunktur, seit US-Präsident Bush mit seinem Wort vom drohenden oder – mit dem internationalen Terrorismus – schon gegenwärtigen Weltkrieg erschreckt hat. Bahman Nirumand, der sich als Exilant aus dem Iran in beiden Welten, dem Orient und dem Westen, zu Hause fühlt, traut sich zu, die verwirrenden Frontverläufe auf dem Schauplatz des nahen und mittleren Ostens nachzuzeichnen. Seiner Ansicht nach ist nicht auszuschließen, „dass der neue Kalte Krieg, in dem wir uns bereits befinden, durchaus in einen heißen Krieg münden könnte. Der Kampf um Ressourcen spitzt sich zu, die Konflikte ziehen immer mehr Länder in Mitleidenschaft“. Die Rede ist vom „islamischen Kreis“ zwischen Afghanistan, Pakistan über Iran, Irak und deren Nachbarn bis hin zur Türkei und der gesamten arabischen Welt – mittendrin der Konfliktherd Palästina. Dass sich dieser Kreis – etwa durch die Rückkehr der afghanischen Taliban oder einer islamistischen Wende in Pakistan – trotz aller Gegensätze zwischen Sunniten und Schiiten schließen könnte, sieht Nirumand als eine Hauptgefahr. Schon jetzt sei jedes der von ihm sachkundig beschriebenen Länder ein „Pulverfass“. Und überall seien dieselben Akteure am Werk, die sich mit Terror, ökonomischem Druck oder psychologischer Kriegsführung bekämpfen. Im weltpolitischen Hintergrund zeige sich eine Verschiebung der Kräfte – „vor allem Russland und China, aber auch Indien sind auf dem Vormarsch“. Nirumand kann sich vorstellen, dass Europa mehr bewirken könnte, wenn es eine einheitliche Außenpolitik besäße „und sich aus der Gefolgschaft der USA lösen würde. Zurzeit sind aber beide Voraussetzungen nicht erfüllt“. Ob dies nicht illusionär ist, muss Nirumand sich fragen lassen. Hannes Schwenger

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