Literatur : LESESTOFF

Wolfgang Schwanitz

Katja Engler:

Die Deutsche Frage im Nahen Osten. Politische Beziehungen der BRD zum Irak und Jordanien 1951-1965.

Lit Verlag, Berlin 2007. 176 S. 19,90 €.

Die Briten teilten Ostarabien nach dem Ersten Weltkrieg in die Königreiche der Haschemiten auf: In Amman herrscht die Dynastie noch heute, in Bagdad wurde sie 1958 von den Militärs gestürzt. Der Coup sorgte in Bonn für Bauchweh, in Ostberlin für Jubel. Mit Jordanien war es umgekehrt. Wieso? Mit der Frage, wie es beide Länder mit den beiden Deutschlands hielt, setzt sich Katja Engler von der Technischen Universität in Chemnitz auseinander. Entscheidend war aus deutscher Sicht die Haltung der beiden Länder zur Wiedervereinigung. Danach richtete sich die konkrete Politik aus. Engler übersieht jedoch viel Literatur und erklärt Bonns Kurs gegenüber Amman und Bagdad nur nach den westdeutschen Akten und Medien. Zu unkritisch wärmt sie die Argumente auf, die in das größte Debakel der Bonner Republik führten, als 1965 zehn der 13 arabischen Staaten ihre Beziehungen zu Bonn abbrachen – das nun im Gegenzug Israel anerkannte. Mithin wurden Alleinvertretung und Hallsteindoktrin fraglich. Das Studium auch der ostdeutschen Akten hätte Engler gezeigt, wie Ostberlin schon ab 1957 die Anerkennung durch die Ländergruppe der Araber suchte, um die Bonner Doktrin zu entkräften, und erlangte: Bagdad erkannte Ostberlin 1969 an und Amman 1973. Aber auch in die arabischen Akten nahm Engler offenbar keine Einsicht.Wolfgang Schwanitz

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