Literatur : LESESTOFF

Ekkehard Klausa

Ernst Fraenkel:

Demokratie und Pluralismus. Nomos Verlag, Baden-Baden 2007, 572 Seiten, 75 Euro.

Er war ein großer Atlantiker und Berliner. Ein Gründervater der Berliner Politischen Wissenschaft. Sein Meisterstück schuf der emigrierte jüdische Rechtsanwalt 1941 in den USA: den „Doppelstaat“ – eine brillante Analyse Nazideutschlands als Willkürsystem hinter der für manche Bereiche noch benötigten Fassade des bürgerlichen Gesetzesstaates. Jetzt ist Band 5 der Edition seiner Schriften erschienen, ein Klassiker der pluralistischen Demokratietheorie. Er enthält alle wichtigen Schriften von der Rückkehr nach Deutschland, von 1951 bis 1974, dem Jahr vor seinem Tod. Präsident George W. Bush hätte vor dem Irakkrieg lesen sollen, wovor Fraenkel 1960 warnte: vor der „Naivität“, den westlichen Parlamentarismus, dieses „Zufallsprodukt der englischen Geschichte“, für eine universell anwendbare Selbstverständlichkeit zu halten. Fraenkel analysiert deshalb sorgfältig, wie deutsche „Strukturdefekte“ im Vergleich zu westlichen Demokratien überwindbar sind. Dabei knüpft er an sein Engagement vor 1933 an, als er „durchglüht vom Glauben an die Möglichkeit des Sieges von Kultur und Gesittung“ für Demokratie gegen Präsidialdiktatur gestritten hatte. Besonders die Warnung vor Carl Schmitts „Freund- Feind-Verhältnis“ verdient heute neuen Nachdruck angesichts der hierzulande erstarkenden Rechts- und Linksfaschismen, die mit dem Baseballschläger auf den Kopf oder dem Brandsatz unter dem Auto des „Feindes“ Politik machen. Ekkehard Klausa

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