Literatur : LESESTOFF

Ralf Altenhof

James Fulcher:

Kapitalismus. Übersetzt von Christian Rochow. Philipp Reclam jun., Stuttgart 2007. 190 Seiten, 5 Euro.

Deutschland ist zwar ohne Zweifel „kapitalistisch“, aber hierzulande bezeichnet man das nicht gerne so – von antikapitalistischen Kritikern einmal abgesehen. In angelsächsischen Ländern hat man weniger Scheu, das Kind beim Namen zu nennen. Und so hat James Fulcher seine Studie schlicht „Kapitalismus“ überschrieben. Der Autor, Soziologe an der Universität Leicester, beschreibt eine Entwicklung vom „anarchischen“ über den „gesteuerten“ bis zum „revitalisierten Marktkapitalismus“ unserer Tage. Unter Verweis auf Schweden, die USA, Japan und Deutschland beleuchtet er die Vielfalt der kapitalistischen Erscheinungsformen. Fulcher glaubt nicht an eine „finale Krise“ des Kapitalismus. Mit dem Zusammenbruch des Sozialismus sei die letzte Alternative verschwunden. Deshalb hält er die Suche nach einer Alternative für verlorene Mühe. Sinnvoll sei allein die Konzentration auf Veränderungen innerhalb des Kapitalismus. Das Buch vermittelt einen guten Überblick über jene Wirtschaftsordnung, die sich im Kampf der Systeme durchgesetzt hat. Der Autor erweist sich weder als blinder Kapitalismuskritiker noch als naiver Befürworter, der Probleme ins Reich der Legenden verbannt. Um ein gehaltvolles Urteil abzugeben, ist das nicht die schlechteste Position – gerade nach den jüngsten Turbulenzen an den Aktienmärkten. Ralf Altenhof

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