Literatur : LESESTOFF

Ralf Balke

Bassam Tibi:

Die islamische Herausforderung. Religion und Politik im Europa des 21. Jahrhunderts. Primus Verlag, Darmstadt 2007. 182 S., 24,90 €.

Mit viel Verve argumentiert Bassam Tibi in seinem neuen Buch gegen die Vertreter eines Multikulturalismus, die ein „anything goes“ predigen und kulturelle Differenzen jeglicher Art als Grundrecht akzeptiert wissen wollen. „Ist es etwa mein Grundrecht als Muslim, ausgepeitscht zu werden, wenn ich mich fehlverhalte?“, fragt er provokativ – und entwirft auch ein Gegenmodell zum Multikulturalismus. Es lautet Kulturpluralismus und soll eine Antwort auf die Rückkehr der Religion durch die Migration vieler Muslime nach Europa und die dadurch entstandenen Verwerfungen sein. „Der Unterschied zwischen beiden Konzepten besteht nicht in der Differenz darüber, ob Vielfalt anzuerkennen ist, denn beide tun es. Der Unterschied ist, dass der Kulturpluralismus Bedingungen für das Akzeptieren von Vielfalt stellt, nämlich die Annahme eines zivilgesellschaftlichen Wertekonsens.“ Der Ablehnung europäischer Werte durch viele Muslime, die mitunter Dimensionen einer Revolte annehme, gelte es entschieden entgegenzutreten. „Man kann sich entweder für die Europäisierung des Islam oder die Islamisierung Europas entscheiden“, lautet seine Schlussfolgerung. Tibi hat mit seinen Überlegungen einiges für die aktuelle Debatte über die Integration von Muslimen zu bieten. Leider krankt sein Buch an einer den Leser bald nervenden Ich-Zentriertheit. Mit dem Drang, die eigene Person immer wieder als Ausgangs- und Mittelpunkt seiner Ausführungen zu machen, tut er sich selbst und seinem Anliegen keinen Gefallen.Ralf Balke

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