Literatur : LESESTOFF

Hannes Schwenger

Youssef Courbage und Emmanuel Todd:



Die unaufhaltsame Revolution. Wie die Werte der Moderne die islamische Welt verändern. Piper Verlag, München 2008. 218 Seiten, 16,90 Euro.

Einen „Kampf der Kulturen“ wird es nicht geben. Das versichern uns zwei französische Wissenschaftler am Pariser Institut National d’Etudes Démographiques, Youssef Courtage und Emmanuel Todd. Ihre These lautet vielmehr: „Wenn man die Indikatoren der gesellschaftlichen und historischen Entwicklung betrachtet, muss man sich im Gegenteil dem Gedanken an eine ,Begegnung der Kulturen’ anschließen.“ Zwar sei es zur Zeit leicht, den Islam als eine Religion hinzustellen, die sich jeder Modernisierung entzieht. Aber Zahlen und Tatsachen sprechen eine andere Sprache. Sie zeigen am Zusammenhang von Alphabetisierung, Konsumverhalten und Geburtenbeschränkung, wie die Werte der säkularen Moderne auch die islamische Welt erobern und verändern. Wer es genauer wissen will, muss sich auf viel Statistik gefasst machen, denn die beiden Autoren setzen für ihre These „auf das Werkzeug der demografischen Analyse“. Überraschendes Ergebnis: Die Demografie konstatiert seit drei Jahrzehnten einen drastischen Geburtenrückgang in der muslimischen Welt, der wie zuvor in den westlichen Gesellschaften mit ihrer Alphabetisierung und Modernisierung einhergeht. Diese demografische Revolution, so argumentieren Courbage und Todd, sei „offenbar durch keinen Glauben aufzuhalten, weder durch den Islam noch durch das Christentum oder den Buddhismus“. Hannes Schwenger

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