Literatur : LESESTOFF

Albrecht Meier

Martin Koopmann und Stephan Martens (Hrsg.):

Das kommende Europa. Deutsche und französische Betrachtungen zur Zukunft der Europäischen Union. Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2008. 388 Seiten, 49 Euro.

Wenn 24 deutsche und französische Autoren über „das kommende Europa“ schreiben, dann ist das zwar noch keine allgemeingültige Blaupause zur Zukunft der Europäischen Union. Aber man kann, wie im Fall des vorliegenden Bandes, einen wichtigen Beitrag erwarten in der Debatte, wie es weitergehen soll mit Europa: mit der künftigen Erweiterungs- oder Handelspolitik, dem Einfluss des Europaparlaments und der globalen Rolle der EU. Das sind einige der Themen, mit denen sich die Beiträge der Wissenschaftler aus Thinktanks und Universitäten auf beiden Seiten des Rheins befassen. Der Band erfüllt die Erwartungen, zumal er sich im Wesentlichen nicht mit deutsch-französischer Vergangenheitsbewältigung und Nabelschau aufhält, sondern direkt in der unübersichtlichen europäischen Gegenwart ansetzt. So schreibt Christian Lequesne in seinem Beitrag über die Paradoxie, dass ausgerechnet Frankreich und Deutschland – die beiden Erfolgsgaranten für das Einigungswerk während des Kalten Krieges – Schwierigkeiten haben, „wenn es darum geht, den Wandel Europas zu akzeptieren“. Das neue Europa, schreibt Lequesne weiter, hat keine klaren Grenzen mehr. Den traditionell proeuropäischen Eliten in Frankreich und Deutschland wirft er vor, immer noch nostalgisch dem „kleinen Europa“ aus der Zeit vor 1989 nachzutrauern. Etwas kurz kommt in seiner Betrachtung allerdings der Gedanke, dass es gerade die inkriminierten Eliten waren, die unbeirrt am EU-Reformvertrag festgehalten haben – der doch eine Voraussetzung für künftige Erweiterungsschritte ist. Ob die EU in der Welt und in den Augen ihrer Bürger weiter bestehen kann, hängt aber nur teils von ihrer territorialen Ausdehnung ab. Laut Henrik Uterwedde wird auch die Fähigkeit Europas ganz entscheidend sein, „sein Wirtschafts- und Sozialmodell inmitten einer Welt voller Veränderungen zu behaupten“. Albrecht Meier

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