Literatur : LESESTOFF

Rolf Brockschmidt

Auch wenn ich hoffe.

Das Tagebuch des Moshe Flinker. Mit einem Vorwort von Saul Friedländer. Berlin University Press, Berlin 2008. 170 S., 19,90 Euro.

Das Tagebuch der Anne Frank ist ein Klassiker. Die Aufzeichnungen des jungen Mädchens unter der deutschen Besatzung haben Millionen Menschen berührt. Auch das Tagebuch des Moshe Flinker, eines 16-jährigen Juden (1926 in Den Haag geboren), ist ein bewegendes Dokument, schildert er doch die Flucht mit seinen Eltern und seinen sechs Geschwistern ins vermeintlich „freie“ Brüssel, wo die tiefreligiöse Familie dank des Vermögens des Vaters eine Weile bleiben kann. Moshe träumt von einer Karriere als Diplomat und bringt sich selbst Arabisch bei, da er sich nur so eine Koexistenz beider Völker in Palästina vorstellen kann. Welch eine Weitsicht! Moshe kommentiert die Fortschritte der Alliierten mit gemischten Gefühlen, sieht er doch, dass die Bombardierung Deutschlands den Hass auf die Alliierten nur schüren wird. An eine Befreiung seines Volkes glaubt er nicht mehr und flüchtet sich immer mehr in seinen Glauben. 1944 wird die Familie verhaftet, am 7. April stirbt er mit seinen Eltern in der Gaskammer von Auschwitz. Die Geschwister überlebten und fanden sein Tagebuch.Rolf Brockschmidt

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