Literatur : LESESTOFF

Mirko Weber

Rudolf Erhard: Edmund Stoiber. Aufstieg und Fall. Fackelträger Verlag, Köln 2008, 224 Seiten, 19,95 Euro.

Freunde waren schon die Altvorderen nicht. Stoiber Senior (der Vater des späteren bayerischen Ministerpräsidenten) und Erhard Senior (der Vater des späteren Buchautors) pendelten eine Zeit lang aus Oberaudorf, nahe Österreich, wo nun wieder beide Söhne geboren worden sind (Edmund Rüdiger Rudi zehn Jahre vor Rudolf) gemeinsam zur Arbeit – eine Zweckgemeinschaft. Sie hielt nicht lange. Herr Erhard und Herr Stoiber konnten, wie man heute sagt, nicht miteinander. Aber wie das so ist auf’m Bauerndorf: Edmund und Rudolf hatten sowohl dieselben Hebammen, Kindergärtnerinnen als auch Lehrer. Und beide Buben fielen einmal durch auf dem Gymnasium. Wegen Latein. So viel zu den Gemeinsamkeiten. Richtiggehend al dente aneinandergeraten sind Stoiber und Erhard dann, als der eine Generalsekretär der CSU und der andere ein junger Reporter beim Rundfunk war, Anfang der achtziger Jahre. Da registrierte Rudolf Erhard im Landtag, wie Franz Josef Strauß selig auf dem Ministerpräsidentensessel einnickte, was seinerseits nicht unbemerkt blieb. Stoiber sah rot, ließ sämtliche Protokolle der Sitzung auffahren und wies den Bayerischen Rundfunk mehr oder minder an, den Berichterstatter zu entlassen. Woraufhin ihm, was damals nicht selbstverständlich war, der Intendant Reinhold Vöth eins pfiff. Fürderhin mussten Stoiber wie Erhard sich professionell auseinandersetzen. Über zwanzig Jahre ist das gut gegangen – und musste es auch. Mit dem Reporter Rudolf Erhard ist es bei politischen Anlässen in Bayern nämlich ein bisschen wie mit dem lieben Gott: es kommt keiner an ihm vorbei (außer früher Stan Libuda). Und dass Erhard ein Buch über Stoiber schreiben würde und über dessen „Aufstieg und Fall“, lag eigentlich auf der Hand. Stoiber selbst hat sich fünf Stunden Zeit genommen für Erhards Fragen, er meinte besorgt, das Buch müsse „vor der Geschichte bestehen können“. Im Kern kann es das wohl, wiewohl das Verfahren fraglich bleibt. Naturgemäß hat Stoiber nicht alle Fragen Erhards beantworten wollen. Also spielt der gewissermaßen über Bande. Er hat die Gespräche mit Peter Gauweiler, Thomas Goppel, Alois Glück, Theo Waigel und Guido Westerwelle wohl aufgezeichnet, verzichtet jedoch auf exakte Zitate. Das entlastet die Erzähler, weil sie’s jeweils nicht gewesen sein müssen in der Paraphrase, schöpft aber auch ein wenig das verbindliche Salz aus der Suppe. Mirko Weber

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