Literatur : LESESTOFF

Ulrich Karger

Hans Traxler (Text + Bild): Franz – der Junge, der ein Murmeltier sein wollte. Bilderbuch. Hanser Verlag, München 2009. 40 Seiten. 14,90 Euro. Ab fünf Jahren.

Hans Traxler feiert dieses Jahr seinen 80. Geburtstag. Einst Mitbegründer von „Pardon“ und „Titanic“ weiß er auch für Kinder hintersinnig komische Geschichten auszumalen. So auch die von Franz, einem Jungen, der wie Albert ein Murmeltier sein will. Dem Albert hat Franz den angsteinflößenden Adler vom Leibe gehalten und seine Karotten mit ihm geteilt. Doch im Winter ist Albert verschwunden und die Sorge um das Murmeltier bringt Franz in große Gefahr. Als Franz eine Lungenentzündung ausgestanden und dabei fast ebenso lang Winterschlaf wie Albert gehalten hat, kann ein neuer gemeinsamer Sommer seinen Anfang nehmen – und Fanny, die Schwester von Franz, ist auch dabei, denn sie hat sich anständig verhalten und Franz wegen seines Abenteuers nicht ausgelacht. Ein echtes Liebhaber-Bilderbuch!

Ann Dee Ellis: Es. Tut. Mir. So. Leid. Roman. Aus dem Amerikanischen von Eva Plorin. Thienemann Verlag, Stuttgart 2009. 205 Seiten. 12,90 Euro.

Ab 12 Jahren.

Logan war unter den Mitschülern weder sonderlich beliebt noch unbeliebt. Doch als er ohne helfen zu können, Zeuge eines schrecklichen Vorfalls wurde, wechselt er die Schule und meidet den Kontakt zu seinem ehedem besten Freund Zyler. In der neuen Klasse wird Logan von Anfang an gemobbt. Aber Logan lehnt jede Unterstützung ab und lässt sich lieber verprügeln, als Hilfe anzunehmen. Einzig Laurels Hartnäckigkeit vermag er nicht zu entkommen.

Ann Dee Ellis legt mit „Es. Tut. Mir. So. Leid.“ eine fesselnde Erzählung um ein Mobbing-Opfer vor, das sich wegen eines schlechten Gewissens in die Sprachlosigkeit manövriert. Die zu Herzen gehende Verzweiflung Logans wird aber dank Laurels sehr eigenem Kopf immer wieder aufgebrochen und mündet schließlich in ein keineswegs süßliches, nichtsdestotrotz erlösendes Happy End.

David Macaulay: Das große Buch vom Körper. Aus dem Englischen von Wolfgang Hensel . Ravensburger Verlag, Ravensburg 2009. 336 Seiten. 24,95 Euro. Ab zehn Jahren.

David Macaulay gelingt in „Das große Buch vom Körper“ erneut das Kunststück, dank seiner farbigen Zeichnungen mehr erhellende Informationen zu vermitteln als es Fotos vermögen. Denn Macaulay bietet Detailansichten mit Querschnitten auf mehreren Ebenen, welche die Wirkungsweisen kleinster Zellen bis hin zu den Funktionen von Muskeln für die Bewegung oder die Fortpflanzung deutlich zu machen vermögen. Dazwischen setzt er zudem witzige Bildkommentare, zum Beispiel wenn sich das Ende des Dickdarms wie ein Silo ausnimmt, dessen Ausscheidungen dann von kleinen Lastern weggeräumt werden. Sich all das anzusehen wird gewiss auch schon Zehnjährigen Laune machen. Die erläuternden Texte nutzen jedoch bei aller Prägnanz auch sehr oft Fachbegriffe, mit denen sich vermutlich erst weit ältere Jugendliche auseinandersetzen wollen.Ulrich Karger

Die Bibel – Das Alte Testament. Text: Sybil Gräfin Schönfeldt, Bilder: Klaus Ensikat. Tulipan Verlag, Berlin 2009. 312 Seiten. 39,95 Euro. Ab sieben Jahren.

Bibeln für junge Leser sind in der Tat schon einige auf dem Markt, auch hübsch illustriert. Aber oft kleben diese an der Vorlage. Doch wie bringt man den Stoff der Bibel einer immer säkulareren Gesellschaft nahe, die sich mehr und mehr von den christlichen Wurzeln der Gesellschaft entfernt? Sybil Gräfin Schönfeldt hat sich das Buch der Bücher vorgenommen und neu erzählt, frisch im Ton, neuzeitlich, verständlich. Da man aber heute nicht mehr alles voraussetzen kann, leitet sie jede Geschichte kurz ein, verweist auf die Bedeutung und den Hintergrund jeder Erzählung. Das fängt damit an, dass sie den Kontext der Erzählungen, den Vorderen Orient, in ihren Einleitungen thematisiert. Dass ein Garten mit reichlich Wasser und Pflanzen ein Paradies sein muss, wenn Wüsten dominieren. Dass der Turmbau zu Babel nur mit Fremdarbeitern aus den benachbarten Gebieten zu stemmen war. Sie weitet so den Blick für die Erzählungen, die unsere Kultur weitgehend geprägt haben und öffnet den Horizont für weitere Zusammenhänge.

Ein nützlicher, schön ausgestatteter Band mit Hausbuchcharakter, den Klaus Ensikat mit viel Liebe zum Detail illustriert hat. Und wer es ganz genau wissen will, dem sind die korrekten Textstellen genannt, doch ist Sybil Gräfin Schönfeldts kraftvolle Sprache zumindest für jüngere Leser der Lutherbibel allemal vorzuziehen, denn ihre Sprache ist verständlicher für Kinder, ihre Erläuterungen wecken Interesse auch für die Region, in der die Geschichten spielen. Und das ist heute wichtiger denn je. Rolf Brockschmidt

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