Literatur : LESESTOFF

Wolfgang G. Schwanitz

Walter M. Weiss (Hg.):

Die arabischen Staaten. Geschichte, Politik, Religion, Gesellschaft, Wirtschaft. Palmyra Verlag, Heidelberg 2007. 416 Seiten, 24,90 Euro.

Berichte über arabische Staaten seien oft auf Aktuelles begrenzt, beklagt der Wiener Herausgeber von „Die arabischen Staaten“, Walter M. Weiss, historische und andere Hintergründe blieben nur im Dunkeln, viele Ursachen von Krisen würden kaum erhellt. Dem will Weiss durch dieses Nachschlagewerk über die 22 Länder, die in der Liga der Arabischen Staaten vereint sind, Abhilfe verschaffen. Er versammelte Autorinnen und Autoren, die als Experten ausgewiesen sind. Und so bietet dieser Referenzband eine Fülle von Informationen.

Wir erfahren etwa, dass Algerien unter dramatischer Wasserverknappung leidet, die freieste Presse der arabischen Welt besitzt und einen Grenzstreit mit Libyen auszufechten hat. Dort vollzog Muammar al Gaddafi eine radikale Kehrtwende, indem er seine Programme für Massenvernichtungswaffen aufgab. Dem ging auch voraus, dass er die Verantwortung für den Terroranschlag 1988 auf den Pan-Am-Flieger 103 übernahm sowie die Angehörigen der Opfer entschädigen ließ.In diesem Abschnitt hätte es mehr Klarheit bedurft. Letztlich öffnete Tripolis die Tore zur Wiedereingliederung des Landes in die Weltgemeinschaft, was als positive Entwicklung herausragt.

Anders verhält es sich in Saudi-Arabien, das nicht allein mit schwankenden Öleinnahmen, sondern auch mit Destabilität zu kämpfen hat. Ob man die Analyse teilen kann, dass die dortige wahhabitische Lehre zunehmend an Bedeutung verliere, ist zu bezweifeln. Noch hat das Königreich Mittel, diese Art des Islam weltweit zu verbreiten. Das ist sogar in Amerika der Fall, was neue Reibungsflächen zwischen beiden Staaten schafft. Wie einige andere Beiträge erhellen, ist die vordringliche Frage zurzeit, wie der Nahe und Mittlere Osten neu geordnet wird. Denn solange der Irak nicht befriedet ist, kann der Krieg zwischen Schiiten und Sunniten regional ausufern. Alles in allem liegt hier ein nützliches Handbuch vor, das im Sinne der Aktualität regelmäßig neu ediert werden sollte. Überlegenswert wäre gleichwohl, die Türkei und den Iran mit einzubeziehen. Wolfgang G. Schwanitz

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