Literatur : Akademie stellt Heinrich-Mann-Funde vor

Jahrzehntelang stand ein Koffer mit Manuskripten und Briefen von Heinrich Mann unbeachtet in einer Prager Wohnung. Jetzt wurde der Fund aus dem Jahr 2004 in Berlin erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Berlin Die Berliner Akademie der Künste hat erstmals in Prag entdeckte und bisher unbekannte Briefe, Manuskripte und Familienpapiere von Heinrich Mann (1871-1950) erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Sie wurden im Rahmen einer Veranstaltung am Pariser Platz in Berlin mit dem Titel "Ein Koffer aus Prag" von dem Entdecker, dem Literaturwissenschaftler Peter Stein (Lüneburg), sowie von dem Romanisten Wolfgang Klein (Osnabrück) erläutert. Der Schauspieler Dieter Mann las in Anwesenheit von Angehörigen der Familie Mann aus den Briefen.

Stein war 2004 in Prag auf den Koffer gestoßen, nachdem sich der damals 79-jährige Tscheche Karel C. an ihn gewandt hatte, dessen Mutter seit etwa 1940 mit Maria Mann, der ersten Frau Heinrich Manns, befreundet war. Der Koffer blieb jahrzehntelang unbeachtet in einer Wohnung. Der heute 84 Jahre alte Prager war zu der Berliner Ausstellungseröffnung in die Akademie gekommen.

Briefe von Döblin und Thomas Mann

Zu dem Fund aus dem Jahr 2004, der nach einigen "juristischen Hürden" erst jetzt öffentlich gemacht wurde, gehören zwei Manuskripte, 16 Briefe von Mann und 91 an ihn gerichtete Schreiben, darunter Briefe von Alfred Döblin, Thomas Mann und Ludwig Marcuse. Heinrich Mann ("Der Untertan"), Bruder des Literaturnobelpreisträgers Thomas Mann, war 1933 von den Nazis aus der Sektion Dichtkunst der Preußischen Akademie der Künste gedrängt worden und danach geflüchtet. Noch im amerikanischen Exil wurde er zum ersten Präsidenten der nach dem Krieg im Ostteil Berlins gegründeten Deutschen Akademie der Künste berufen und starb 1950 noch bevor er sein Amt antreten konnte. Er fand seine letzte Ruhe auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin.

Archivdirektor Wolfgang Trautwein sprach von einem "bemerkenswerten Fund" für die Germanistik und Literaturwissenschaft, weil die Briefe und Dokumente aus ganz verschiedenen Zeitabschnitten stammen und "wie kleine, aber wichtige Mosaiksteine" in das von der Akademie betreute Heinrich-Mann-Archiv eingepasst werden können. Am bedeutendsten seien 48 Briefe des französischen Germanisten Félix Bertaux an Heinrich Mann aus den Jahren 1922 bis 1928. Die Dokumentation des wohl wichtigsten geistigen Austausches, den Mann über 26 Jahre hindurch führte, werde damit erheblich erweitert.

Wichtig sind nach Akademie-Angaben auch neun umfangreiche Briefe Manns an seine Mutter Julia aus den Jahren 1906 bis 1909 sowie Kondolenzbriefe zum Tod von Nelly Mann, der von der übrigen "Mann- Dynastie" wenig geliebten letzten Frau Heinrich Manns, die in dem TV- Mehrteiler "Die Manns" von Veronica Ferres dargestellt worden war.

Die neuen Dokumente können (als Faksimile) in einer kleinen Ausstellung am Pariser Platz von Donnerstag (19.2.) an bis zum 7. Juni besichtigt werden. (küs/dpa)

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