Literatur : Ex-Kindersoldat verteidigt Bestseller gegen Zweifel

Ishmael Beah hat ein Buch über seine Zeit als Kindersoldat in Westafrika geschrieben. Einige Medien zweifeln an Details in dem Buch. Den Autor ficht das nicht an - er verweist auf die hochseriösen Medien, die schon Auszüge abgedruckt haben.

FrankfurtDer westafrikanische Bestsellerautor Ishmael Beah hat sich gegen Zweifel an Details in seinem Buch über seine Erfahrungen als Kindersoldat in Sierra Leone verteidigt. "Ich stehe 100 Prozent dahinter", sagte Beah am Montagabend zum Auftakt einer Lesereise in Frankfurt. In dem von der Kritik hochgelobten Buch "Rückkehr ins Leben - Ich war Kindersoldat" schildert der 27-Jährige, wie er als Kind im Bürgerkrieg an die Waffe gezwungen wurde und das Töten lernen musste.

Eine australische Zeitung hatte einige Fakten infrage gestellt. Beah wehrte sich. Recherchen, seine Karte in dem Buch sei verkehrt oder seine Familie lebe vielleicht noch, hätten sich als falsch herausgestellt. "Es ist einfach lächerlich", sagte Beah über die Kritik. Er verwies darauf, dass Medien wie die "New York Times" und "Der Spiegel" vor einer Veröffentlichung der Geschichte die Fakten überprüft hätten.

Bestseller in den USA

In den USA war das bei Farrar, Straus and Giroux erschienene Buch auf Platz 1 der Bestsellerliste. In Deutschland brachte es der Campus Verlag (Frankfurt) in Zusammenarbeit mit Unicef auf den Markt, mehr als 20.000 Exemplare sind verkauft. Beide Verlage zeigten keine Zweifel an der Glaubwürdigkeit. Beah lebt heute in den USA und engagiert sich für vom Krieg betroffene Kinder.

Sein Buch, das viele Kritiker erschüttert hat, stellt er diese Woche in Heidelberg, Berlin, Hamburg und Köln vor. Die Hoffnung für Afrika und Sierra Leone hat er nicht aufgegeben. "Ich will dort leben, wenn ich alt werde", sagte Beah. Er habe nicht vergessen, was passiert sei, aber gelernt, damit umzugehen. In einer Szene im Buch erzählt Beah, wie er als Kindersoldat - von Drogen und Kriegsfilmen gefügig gemacht - einem Gefangenen die Kehle durchschneiden muss und damit einen makabren Wettbewerb gewinnt. (mhz/dpa)

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