Literatur : Landes Stimme

Der spanische Schriftsteller Miguel Delibes ist tot.

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Foto: Felix Ordonez/ReutersX01085

Spanien trauert um einen seiner bedeutendsten Schriftsteller. Miguel Delibes, als Romancier einem sozialen Realismus verpflichtet, ist am Freitag im Alter von 89 Jahren in seiner Heimatstadt Valladolid gestorben. Viele seiner fast 70 Bücher sind heute an spanischen Schulen Pflichtlektüre; er genießt, auch als Stilist, den Rang eines Klassikers. Ministerpräsident Zapatero würdigte den Erzähler für seine während der Franco-Diktatur (1939–1975) erschienenen Bücher als „die Stimme eines zum Schweigen verurteilten Landes“. Delibes war seinerzeit als Chefredakteur der Zeitung „El Norte de Castilla“ von den Zensoren zum Rücktritt gezwungen worden. Auch Spaniens König Juan Carlos kondolierte der Familie.

In seinen Werken porträtierte Delibes immer wieder das ländliche Milieu: die Armut an der Grenze zum Elend, aber auch ein unzerstörbares Wertebewusstsein. Zu seinen wichtigsten Werken zählen „Und zur Erinnerung Sommersprossen“, „Die Ratten“, „Fünf Stunden mit Mario“, „Die heiligen Narren“ sowie „Der Ketzer“, sein 1998 erschienener, letzter Roman. Seit Mitte der neunziger Jahre war er ein Autor des Berliner Verlags Klaus Wagenbach. Zahlreiche seiner Bücher wurden dramatisiert oder verfilmt. Der Autor wurde mit allen wichtigen nationalen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Cervantes-Preis und dem Nationalen Literaturpreis. 1990 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität des Saarlandes. Lange galt er auch als Anwärter auf den Nobelpreis. Tsp

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