Literatur : Schriftsteller Walter Kempowski gestorben

Der Autor Walter Kempowski ist tot. Mit seiner "Deutschen Chronik" und dem Mammutprojekt "Echolot" wurde er auch im Ausland bekannt.

Walter Kempowski
Walter Kempowski. -Foto: dpa

BremenKempowski erlag in der Nacht im Alter von 78 Jahren in einem Krankenhaus im niedersächsischen Rotenburg seinem Darmkrebsleiden, teilte der Knaus Verlag in München mit. Kempowski zählt mit seinen Werken wie "Tadellöser & Wolff", "Deutsche Chronik" und "Echolot" zu den großen deutschen Schriftstellern der Gegenwart. Bis zuletzt hatte er sich von der schweren Krankheit nicht unterkriegen lassen und weiter an seinem Tagebuch 1991, dem Jahr des Golf-Krieges, geschrieben.

  Vor einem Jahr war Kempowski wegen seiner Erkrankung operiert worden. Seitdem hatte seine Ehefrau Hildegard ihren Mann, mit dem sie seit 1960 verheiratet war, liebevoll umsorgt und unterstützt. Der Autor hielt trotz seiner schweren Krankheit an seinen Lesungen in seinem Haus in dem niedersächsischen Dorf Nartum bei Bremen fest. "Und wenn es nicht geht, liest meine Frau weiter", sagte der Schriftsteller noch im Frühjahr. Bis zuletzt hatte er ein Mal im Monat zum Literaturnachmittag eingeladen, wegen seiner Krankheit aber nicht mehr selbst gelesen.

Kempowski wurde am 29. April 1929 als Sohn eines Schiffsmaklers und Reeders in Rostock geboren. Im Herbst des Kriegsjahres 1944 wurde er in eine Strafeinheit der Hitlerjugend eingewiesen. Im Sommer 1948 verurteilte ein sowjetisches Militärtribunal Kempowski und seinen Bruder wegen Spionage zu 25 Jahren Arbeitslager - der damals 19-Jährige kam ins Zuchthaus Bautzen. Nach seiner vorzeitigen Haftentlassung 1956 holte Kempowski in Göttingen das Abitur nach und studierte an der dortigen Pädagogischen Hochschule.

Von 1960 an arbeitete der spätere Autor als Lehrer, widmete sich jedoch bereits nebenbei dem Schreiben. Der Autor galt als präziser Chronist deutscher Geschichte. Seine eigene Biografie war Auslöser und Inspirationsquelle für viele seiner Bücher. Sein literarisches Debüt gab er 1969 mit dem Werk "Im Block", 1971 folgte der Roman "Tadellöser & Wolff", der vier Jahre später für das ZDF verfilmt wurde und die Jugend des Autors in der NS-Zeit und während des Zweiten Weltkrieges schildert. "Tadellöser & Wolff" war der erste Band der "Deutschen Chronik" Kempowskis, die er 1984 mit "Herzlich Willkommen" abschloss.

26 Jahre Arbeit an "Echolot"

An seinem Mammutwerk "Echolot" arbeitete er 26 Jahre lang. Darin beleuchtet Kempowski die Zeit des Zweiten Weltkriegs anhand zehntausender von ihm gesammelter Dokumente, Erinnerungen, Tagebücher und Briefe, die er seit 1980 in seinem "Archiv für unpublizierte Autobiografien" gesammelt hatte. 2004 besuchte der damalige Bundespräsident Johannes Rau das Kempowski-Archiv in Nartum. Kempowski erhielt eine Vielzahl von Auszeichnungen, darunter den Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung, den Uwe-Johnson-Preis und das Große Bundesverdienstkreuz.

Sein letztes Buch erschien 2006. In dem Roman "Alles umsonst" geht es um die dramatische Flucht der Deutschen im Kriegswinter 1945 aus dem von der Roten Armee besetzten Ostpreußen. Der Autor war seit 1960 mit der Lehrerin Hildegard Janssen verheiratet, er hinterlässt einen Sohn und eine Tochter.  (mit dpa, AFP)

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