Literatur : "Wir haben Angst vor unseren Märchen"

Cornelia Funke, die Autorin der Kindererzählung "Tintenherz" glaubt, die Deutschen haben durch ihre NS-Vergangenheit die Lust am Erzählen von Märchen und Mythen verloren. Gerade deshalb sollte man die Phantasie spielen lassen.

Mainz "Ich denke, dass wir Deutschen jetzt schon lange Zeit ein ganz erstaunliches Problem mit dem Erzählen hatten", sagte Funke (48) in einem Interview mit dem Südwestrundfunk. Sie habe das Gefühl, die schriftstellerische Tradition sei durch den Faschismus fast in ein schwarzes Loch gefallen.

"Wir haben Angst vor unseren Märchen, vor unseren Mythen." Es gebe das Gefühl, dass vom Faschismus so viel beschmutzt und missbraucht worden ist. Diese Scheu vor dem eigenen Talent, Welten zu spinnen oder romantisch zu erzählen führe dazu, dass sich die Literatur ein Korsett überzieht. "Aber wir haben natürlich trotzdem große Erzähler und große Schriftsteller."

Der große Erfolg von Fantasy-Geschichten sei keine Überraschung: "Ich denke, dass Menschen schon immer das Erzählen als Möglichkeit sahen, die Grenzen, die ihnen ihre körperliche Realität gibt, zu sprengen." Alle wollten natürlich einmal die körperlichen Grenzen sprengen und einmal fliegen können. "Das fantastische Erzählen gewährt uns all das." (mit dpa)

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