Literaturnobelpreisjury : Wachwechsel

Horace Engdahl, Chef der Stockholmer Jury zum Literaturnobelpreis, nimmt seinen Hut. Nun übernimmt der Historiker Peter Englund die Leitung des Gremiums

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Peter Englund.Foto: dpa

Natürlich, heißt es jetzt, sei es nicht der öffentliche Druck gewesen, dem er begegnete. Doch die Art und Weise, wie sich Horace Engdahl, der 59-jährige „Ständige Sekretär“ der Stockholmer Jury zum Literaturnobelpreis, zuletzt um Kopf und Kragen redete, macht es schwer, seine angekündigte Demission nicht als Folge der Empörung zu verstehen, die er sowohl mit seiner pauschalen Aburteilung der US-amerikanischen Literatur auf sich zog wie mit der Weigerung, sich für den von der Mafia mit dem Leben bedrohten Roberto Saviano einzusetzen. Wie auch immer: Zum 1. Juni 2009 folgt ihm nach zehn Jahren im Amt als neuer Chef des 18-köpfigen Gremiums der 51-jährige Historiker Peter Englund nach. Engdahl bleibt indes einfaches Mitglied mit Stimmrecht.

Englund, seit sechs Jahren Mitglied der Jury, ist als Historiker ein erzählfreudiger Schriftsteller und hat das populäre Sachbuch mit seinem Debüt „Poltava“ über das gleichnamige ukrainische Städtchen, bei dem die Schweden im Großen Nordischen Krieg 1709 eine schwere Niederlage erlitten, als Gattung neu definiert. Zwei seiner Bücher liegen bei Klett-Cotta auch auf Deutsch vor.

Was Engdahl nun macht? Nicht nur, dass er „einsam in einer Kammer schreiben“ will, wie er dem „Svenksa Dagbladet erklärte. Er kommt im Schlepptau seiner Frau Ebba Witt-Brattström, einer feministisch geprägten Komparatistin, die zurzeit am Nordeuropa-Institut der Humboldt-Universität lehrt, nach Berlin, um in Cafés zu sitzen und „scharfe Meinungen“ zu formulieren. Mal sehen, wozu es ihn treibt: Berlin hat noch jedem den Blick verändert. dotz

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