Literatur : Mars gegen Venus

Michael Stavaric übt sich im Geschlechterkampf

Katrin Hillgruber

Es ist das ewiggleiche Spiel: Ein Mann zwischen zwei Frauen. Die eine begehrt er, doch sie will seinetwegen nicht Mann und Kind verlassen. Die andere macht ihm Offerten, aber das reizt ihn nicht. Michael Stavaric extemporiert in einer zwölfteiligen Szenenfolge, die behauptet, ein Roman zu sein, über den Geschlechterkampf. Offenbar hat ihn ein Drang zum Allegorischen bewogen, alle Figuren namenlos zu lassen. Bis auf Robert, den Ehemann der vom Ich-Erzähler vergeblich begehrten Frau. „Soldaten und Träumer“ sind die Männer in diesem gleichnishaften Text, die Frauen dagegen folgen einem archetypischen Muster von Egoismus, Lustgewinn und Fortpflanzung. Und das trotz aller Emanzipationsbemühungen, wie die monotone Erzählerstimme in einer merkwürdigen indirekten Rede suggeriert: „Dass die Frauen nichts zu verlieren haben, wo doch vielen nur ihr Körper blieb, dass sie bisweilen nicht einmal diesen besaßen. Dass sie Kinder gebaren, die sie nicht wollten, dass sie ein Leben fristeten, das ihnen weder Gleichheit noch Freiheit bot, dass sogar die erfolgreichsten unter ihnen immer wieder an ihre Grenzen stießen.“

Dabei bleibt völlig unerklärlich, warum „die Frauen“ ausgerechnet dem Ich-Erzähler mit ihren Klagen in den Ohren liegen, und nicht solchen gefühllosen Machos wie Robert als den eigentlichen Adressaten. „Dass du überhaupt ein Mann sein musst“, lautet der heftigste und zugleich unsinnigste Vorwurf an den geduldigen Zuhörer. Der nämlich ist im besten Sinne ein „dressierter Mann“, der nichts mehr begehrt, als seine Auserkorene unter einer allegorischen Plastikpalme zu treffen. Das Gewächs wechselt seine Farbe, die Frau jedoch „trägt ihr Herz links, wo es hingehört, und ich trage es viel zu weit oben, zu nahe am Kopf“. Dieses Grundmotiv wird ständig wiederholt. Zu vermuten ist, dass laut Stavaric sensible Exemplare der Spezies Mann ähnlich bedroht sind wie der Palmdieb oder Palmendieb (Birgus latro). Dieser Einsiedlerkrebs knackt Kokosnüsse und ist vom Aussterben bedroht.

Auch „Böse Spiele“ endet auf einem symbolischen Kampfplatz. Den universellen Krieg der Geschlechter überleben nur der Ich-Erzähler und einige Krähen: das desolate Ende eines desolaten Buches. Das erstaunt umso mehr, da der versierte Belletristik-Autor und Essayist zahlreiche Preise erhielt. Stavaric, 1972 in Brünn geboren, kam als Siebenjähriger nach Wien, wo er heute lebt. „Was unterscheidet die Tschechen von den Österreichern? Der Charakter“, sagte Karl Kraus. Wenn sich Stavaric mit der ewigen Gefechtsanordnung Mars gegen Venus wenigstens einen Jux gemacht hätte! Doch es ist zu befürchten, dass alles bitter ernst gemeint ist. Katrin Hillgruber

Michael Stavaric: Böse Spiele. Roman. C.H. Beck Verlag, München 2009. 155 Seiten, 16,90 €.

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