Nackter Mann : Eberth schreibt über Ulricht Matthes

Ulrich Matthes stellt im Deutschen Theater ein Buch über sein Leben vor: "Mathes. Backstage" von Michael Eberth.

Andreas Schäfer

Geschlossener Vorhang, auf den das Bild eines Kindercowboys projiziert ist. Zwei taubenblaue Sessel, ein Tisch mit dem Buch, um das es geht. „Matthes. Backstage.“ Für den Verlag Theater der Zeit hat die Dramaturgenlegende Michael Eberth mit Ulrich Matthes Gespräche geführt. „Einer der großen Theaterschauspieler dieser Zeit“ steht nun hinten auf dem Umschlag, auf dessen Vorderseite der willensstarke Kopf des Schauspielers prangt und mit zwei unterschiedlichen Augen fordernd schaut: neugierig, wie mit hochgradig gespannten Sehnerven das rechte, düster und wissend das linke.

Auftritt Ulrich Matthes. Faust-Preisträger, zweimaliger Schauspieler des Jahres, Träger des Gertrud-Eysoldt-Rings und einer derer, die auch mit dem neuen Intendanten Ulrich Khuon am Haus bleiben wird. Man kann sagen: Der Schauspielkönig des Deutschen Theaters steht glücklich im Beifall der Zuschauer. „Ich muss zugeben“, sagt er nicht unkokett, „dass ich nervös bin. Es ist ein Unterschied, ob man hier nackt oder im Schutz einer Rolle auftritt.“ – „Das haben Sie doch nicht nötig“, ruft eine Zuschauerin. „Wir schätzen sie alle sehr.“ Was Ulrich Matthes nötig hat oder nicht – das entscheidet allerdings nur er selbst. „Ich habe“, sagt er, „für dieses Buch einige Bilder aus dem Familienalbum beigesteuert. Sogar,“ – genüsslicher Unschuldsblick – „und das wird die Ruferin sicherlich entzücken: ein Nacktfoto“. Später wird Michael Eberth fragen, ob zum Beruf des Schauspielers nicht Masochismus gehört. Und Matthes wird antworten: „Sadismus aber auch!“

Ulrich Matthes spricht über sein Leben: Kindheit im bürgerlichen Westen Berlins. Erste Fernsehrollen als Kind, bis seine Eltern ihm die Schauspielerei untersagten. Lehramtsstudium an der FU, bis ihn der Drang auf die Bühne fast zerriss. Mutiges Vorsprechen bei Martin Held, der ihn an die Privatschule von Else Bongers vermittelte, die schon Hildegard Knef entdeckt hatte. Von Nacktheit kann aber kaum die Rede sein. Matthes ist wie eingehüllt in seine Empfindsamkeit, in seinen Anspruch, das eine treffende Wort zu finden, das den Eros zwischen Schauspieler und Regisseur beschreibt. Und in seine Ungeduld mit dem Fragensteller. „Gibt es die Gefahr, in die Manier abzugleiten?“, fragt dieser raffiniert. „Ja, sicher. Vielleicht.“ Andreas Schäfer

Michael Eberth: Matthes. Backstage. Theater der Zeit, Berlin 2009.

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