Literatur : Ostermaier trifft Grönemeyer

Eine ÜBERRASCHUNG von Peter von Becker

So geht es einem bisweilen. Man schreibt ein Buch, dann schickt einen der Verlag auf Lesereise, und du kommst in eine große, ferne Stadt, sogar in ein großes, feines Theater der Stadt. Dort trittst du auf der etwas kleineren Hinterbühne aus dem Dunkel ins Licht, an das übliche Lesetischchen – und dir gegenüber sitzen 25 Besucher. Sehr locker verstreut, aber die engsten Fans, die besten Freunde am Ort. Wenigstens die.

Das kann passieren, das hat schon jeder Autor erlebt, der nicht Bohlen oder Bushido heißt. Zumal an einem Montagabend im deutschen Herbst, also vorgestern um 21 Uhr, Saal B in der Berliner Schaubühne, wo der Münchner Dramatiker und Lyriker Albert Ostermaier aus seinem ersten Roman „Zephyr“ las, den junge Radioreporterinnen bei Interviews auch schon mal so ähnlich wie „seafire“ aussprechen. Albert Ostermaier („Herz Vers Sagen“, „Death Valley Juction“), der in Berlin schon den Kleist-Preis erhielt, ist mit demnächst 41 nicht nur einer der sprachmächtigsten mitteljungen, mittelalten Poeten des Landes. Er kennt auch mehr Publikum als die genau 25 Fans und Freunde am Montagabend. Weil er nebenbei noch Torwart der deutschen Autorennationalmannschaft ist und ein fetziges Torwartdramolett sowie eine wunderbare „Ode auf Kahn“ geschrieben hat, sahen ihn einmal sogar ein paar Millionen Zuschauer. Das war im „Aktuellen Sportstudio“, und da hat er mit Literaturfreund Olli K. gegen die berühmte Torwand getreten.

Jetzt tritt er, Montagabend in der Schaubühne, wieder mit einem Freund auf. Und am zweiten Lesetischchen nimmt Herbert Grönemeyer Platz, der in Berlin zuletzt kurz hintereinander die Waldbühne sowie die O2-Arena gefüllt hat. Nun lesen Ostermaier und Grönemeyer abwechselnd aus dem Roman „Zephyr“, der auf mehrerlei Erzähl- und Bewusstseinsebenen von einem liebeskranken Autor handelt, der ein Drehbuch schreiben soll über den liebeskranken Rocksänger Bernard Cantat von der Band Noir Désir, der im Sommer 2003 seine Freundin, den Filmstar Marie Trintignant, im Rausch, Wahn, Streit totgeschlagen hat.

Ostermaier & Grönemeyer machen daraus eine nachthelle, ganz unsentimental gefühlvolle Lese-Session. Die wollten sie vorher nur nicht verraten. Es ist eine Überraschung für 25, und nicht die Quote zählt. Sowas gibt’s noch. Nur den Flügel neben der Lesebühne rührt Grönemeyer nicht an. Das wäre auch zuviel gewesen. Bei so viel Luxus der Bescheidenheit.Hier geht’s los.

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