Literatur : Pamuk sieht Frauen in der Türkei noch immer unterdrückt

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HamburgLiteratur-Nobelpreisträger Orhan Pamuk hat bei der Arbeit an seinem neuen Roman den Feminismus für sich entdeckt. Früher habe er die Unterdrückung der Frauen in seiner Heimat Türkei nicht so wahrgenommen, wie er es in "Das Museum der Unschuld" rückblickend beschreibe, sagte der 56-Jährige dem Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Der Schriftsteller ist sich nicht sicher, ob sich die Situation der türkischen Frauen seit den 70er Jahren, in denen der Roman spielt, grundlegend verbessert hat. Trotz aller Modernität und Verwestlichung werde etwa das Thema Jungfräulichkeit in der Türkei immer noch sehr ernst genommen, sagte Pamuk.

Zu Morddrohungen türkischer Ultranationalisten sagte der Schriftsteller: "Meine Leibwächter sind meine besten Freunde. Das ist der Preis, den ich zahlen muss." Pamuk hatte öffentlich die Ermordung von 30 000 Kurden und einer Million Armenier angeprangert und war wegen "Beleidigung des Türkentums" angeklagt worden.

Pamuk plant in Istanbul auch den Bau eines Museums mit dem Namen "Museum der Unschuld". Politik soll darin offenbar keinen Platz erhalten. Glück sei das Wesentliche im Leben, sagte der 56-Jährige. "Das ist das Thema dieses Buches, und das soll auch im Zentrum meines künftigen Museums hier in Istanbul stehen."

Die deutsche Übersetzung von Pamuks neuem Roman erscheint am 10. September im Hanser Verlag. (saw/ddp)

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