Plagiats-Prozess : "Tannöd"-Autorin soll eine halbe Million Euro zahlen

Das Münchener Landgericht befasst sich seit heute mit den Plagiatsvorwürfen im Fall des Bestsellers "Tannöd". Hat die Autorin Andrea Maria Schenkel für ihren Erfolgskrimi abgeschrieben?

München Der Journalist Peter Leuschner beschuldigt die Schriftstellerin, für ihren Krimi aus seinem Buch "Der Mordfall Hinterkaifeck" abgekupfert zu haben. Er reichte im vergangenen Jahr Klage ein. Wegen Verletzung des Urheberrechts fordert Leuschner Schadensersatz, einen Stopp der Verbreitung sowie die Vernichtung aller noch verfügbaren Exemplare von "Tannöd". Der Streitwert beträgt laut Gericht 500.000 Euro.

Leuschner wirft der Autorin aus Nittendorf bei Regensburg vor, sie habe die Charaktereigenschaften ihrer Figuren von ihm übernommen. Schenkel und ihr Verlag weisen die Plagiatsvorwürfe als "maßlos und aus der Luft gegriffen" zurück. Schenkel gibt an, die betroffenen Passagen selbst recherchiert zu haben. Die Beklagte verweist darauf, dass ihr Buch ein fiktionaler Roman sei. Das Werk des Münchener Zeitungsredakteurs Leuschner hingegen sei eine Dokumentensammlung.

Romane beruhen auf Mordfall von 1922

Leuschners Bücher "Hinterkaifeck - Deutschlands geheimnisvollster Mordfall" (1978) und "Der Mordfall Hinterkaifeck" (1997) basieren wie Schenkels preisgekrönter Roman "Tannöd" (2006) auf einem ungeklärten Verbrechen aus dem Jahr 1922. Sechs Menschen wurden damals auf einem oberbayerischen Einödhof ermordet.

"Tannöd" wurde nach Angaben des Verlages bisher mehr als 550.000 mal verkauft. Die 45-jährige Autorin Schenkel wurde in diesem Jahr zum zweiten Mal in Folge mit dem Deutschen Krimi-Preis ausgezeichnet. Sie erhielt den Preis für ihr zweites Buch "Kalteis". Auch ihr  strittiges Erstlingswerk "Tannöd" wurde neben anderen Auszeichnungen mit dem Krimipreis prämiert. (küs/dpa)

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