Porträt : Doris Lessing: Nach mehr als 30 Jahren endlich den Nobelpreis

LondonDoris Lessing war seit mehr als 30 Jahren für den Literaturnobelpreis im Gespräch. Sie selbst sagte einmal, "ich bekomme ihn nie". Kurz vor ihrem 88. Geburtstag am 22. Oktober darf sich die britische Autorin jetzt mit der höchsten Auszeichnung der Literaturwelt schmücken. Lessings Werk "Das goldene Notizbuch" (1962) gilt als Klassiker feministischer Literatur.

In ihrem gerade erschienenen neuen Roman "Die Kluft" beschreibt sie eine mythische friedliche Welt voller Frauen - in die erst mit den Männern auch Probleme einziehen. Lessing wurde 1919 als Doris May Taylor in Kermanshah im Iran geboren. Ihr Vater, ein kriegsversehrter britischer Offizier, zog später mit der Familie ins damals britische Südrhodesien (heute Simbabwe). Afrika prägte sie und ihr Werk entscheidend. Wegen ihrer Kritik an der Rassentrennung durfte sie jahrzehntelang nicht nach Rhodesien und Südafrika reisen.

Erster literarischer Erfolg

Ihren ersten literarischen Erfolg erzielte Lessing 1949, als sie nach England übersiedelte - im Gepäck den Roman "Afrikanische Tragödie" über eine verbotene schwarz-weiße Liebe. In Afrika ließ sie zwei Kinder mit einem Kolonialoffizier zurück. Später heiratete sie den deutschen Exil-Kommunisten Gottfried Lessing, von dem sie einen Sohn hat und dessen Schwester Irene die Mutter des Linken-Politikers Gregor Gysi ist. Sie selbst war bis zum sowjetischen Einmarsch in Ungarn Mitglied der britischen Kommunisten.

Heute hat sie für politische Bewegungen nichts mehr übrig. Die Verantwortung des einzelnen für sich selbst im Konflikt mit der Gesellschaft ist daher auch Thema des Romanzyklus "Martha Quest". Gegen ihren Willen wurde sie 1962 zum Inbegriff des Feminismus, als "Das goldene Notizbuch" erschien - ihr berühmtestes Werk.

Lessing behandelte immer wieder die (beschwerliche) Beziehung zwischen Mann und Frau. Obwohl ihr Leben aufregend und alles andere als stromlinienförmig war: Einen dritten Band ihrer Autobiografie will sie nach "Unter der Haut" (1994) und "Schritte im Schatten" (1997) nicht schreiben. Begründung: Sie wolle vielen Leuten, die mittlerweile etwas geworden sind, nicht auf den Schlips treten. (mit dpa)

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