Pulitzer-Preisträger : Schriftsteller Frank McCourt ist tot

In seinem Buch "Die Asche meiner Mutter" hat der Autor Frank McCourt Millionen Lesern seine grausame Kindheit nahe gebracht. Nun ist der Pulitzer-Preisträger einem Krebsleiden erlegen.

McCourt
Frank McCourt -Foto: dpa

New YorkFrank McCourt starb am Sonntag in einem Hospiz in New York. Nach Angaben seines Verlags war die Todesursache eine bösartige Form von Hautkrebs. Bereits am Donnerstag hatte McCourts Bruder Malachy mitgeteilt, dass sich sein Bruder nach einer Krebserkrankung nun auch eine Hirnhautentzündung zugezogen habe. "Er wird das wohl nicht überleben." In den letzten Tagen vor seinem Tod konnte McCourt kaum mehr hören und verlor sein Augenlicht. Der Pulitzer-Preisträger und frühere Englischlehrer wurde 78 Jahre alt.

Literarisch war der irisch-amerikanische Autor ein "Spätzünder", erst mit 65 Jahren feierte er seinen ersten und größten Erfolg. Mit seinem autobiografischen Roman Die Asche meiner Mutter verarbeitete er seine schwere Jugend als Kind einer irischen Einwandererfamilie. Das 1996 erschienene Buch stand jahrelang auf den Bestsellerlisten, wurde in 40 Sprachen übersetzt und hat sich inzwischen mehr als sechs Millionen Mal verkauft. McCourt wurde für sein Erstlingswerk mit Auszeichnungen überhäuft, 1997 erhielt er den begehrten Pulitzer-Preis.

"Wenn ich auf meine Kindheit zurückblicke, frage ich mich, wie ich überhaupt überlebt habe", schrieb er gleich im zweiten Absatz seiner Memoiren. Am 19. August 1930 als erstes von sieben Kindern in New York geboren, kehren seine irischstämmigen Eltern während der US-Depression in das heimische Limerick zurück. McCourt war vier Jahre alt und erlebt in den Folgejahren eine entbehrungsreiche Kindheit. , die Mutter konnte die Kinder kaum ernähren, drei Geschwister starben.

Die Familie lebte unter elenden Bedingungen. Der Vater war alkoholkrank, versoff den kargen Lohn und verlässt die Familie schließlich ganz. Die Mutter, eine gebrochene Frau, schafft es kaum, ihre Kinder zu ernähren. Innerhalb von nur gut einem Jahr sterben drei der sechs Geschwister. Frank träumt zwischen seinen Bettelgängen, den Schlägen der Lehrer und den Nächten in der nassen Wohnung von einem Leben in den USA, notfalls hinter Gittern: "Im Gefängnis hat es jeder warm und bekommt dreimal am Tag was zu essen."

Als McCourt die Geschichte aufschreibt, ist er pensionierter Lehrer in New York. 30 Jahre lang hat er versucht, Kindern die Schönheit der englischen Sprache beizubringen, 33.000 Schüler gingen durch seine Klassen. Ein erster Versuch, seine düstere Jugenderinnerung zu Papier zu bringen, scheitert in den 70er Jahren nach 125 Seiten. "Ich kämpfte noch darum, meine Stimme zu finden", erzählte er später. Doch beim zweiten Anlauf bricht sich die Geschichte Bahn: "Ich habe die Bedeutung meines eigenen unbedeutenden Lebens verstanden." Für weiteren Ruhm sorgt 1999 die Verfilmung des Buches durch den britischen Regisseur Alan Parker mit Stars wie Robert Carlyle und Emily Watson.

1999 erschien das zweite Buch des Autors, Ein rundherum tolles Land. Er erzählt darin von seinen Anfangsjahren in New York. Durch Knochenarbeit in Irland hatte er sich bis zu seinem 19. Geburtstag so viel Geld verdient, dass er sich die ersehnte Überfahrt in die USA leisten kann. Er hält sich mit Jobs als Putzmann, Fleischverlader und Pfleger von Kanarienvögeln über Wasser, bis die US-Armee ihn zum Militärdienst nach Bayern schickt ("meine schönste Zeit").

Zurück in den USA ermöglicht die Army ihm ein Studium für Englische Literatur. Er wird Lehrer und Experte für kreatives Schreiben. Seit 1987 arbeitete er als freier Autor. Zusammen mit seinem Bruder Malachy trat er zudem in der Bühnenshow A Couple of Blaguards (Ein Gaunerduo) auf.

Auch seine fast 30 Jahre als Lehrer verarbeitet McCourt 2005 noch einmal in einem Buch – Tag und Nacht und auch im Sommer. Bei den Lesern fanden die Fortsetzungsgeschichten Anklang, doch nach Meinung der Kritik konnte weder die zweite noch die dritte Folge mit dem emotionalen Zauber des Erstlings mithalten. Und auch dem Autor selbst lagen seine Kindheitserinnerungen immer besonders am Herzen. "Ich musste dieses Buch einfach schreiben", sagte er einmal, "sonst wäre ich weinend gestorben."


ZEIT ONLINE, dpa

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