Roman : Marc Fitten: Verwandelt

Marc Fitten schildert in seinem Debütroman "Valerias letztes Gefecht" eine Liebe, die mit aller Gewalt über die Beteiligten hereinbricht und bald auf Hindernisse stößt.

Holger Günther

Valeria ist ein zänkisches Biest – und jeder weiß das. Tag für Tag mäkelt die alte Jungfer auf dem Markt am Obst und Gemüse herum, sie verabscheut Kinder und Hunde. In ganz Zivitar, ihrem ungarischen Dorf, ist sie verhasst. Das Beste, was man von ihr sagen kann, ist: Sie taugt als Gesprächsstoff. Denn Meckern und Tratschen sind den Bürgern das Liebste. Plötzlich aber, durch einen einzigen Blickwechsel mit dem Töpfer des Dorfes, ist es um Valeria geschehen. Sie erlebt eine wundersame Wandlung, entdeckt ihre freundliche Seite, holt sogar Blumenkleider aus dem Schrank und kämmt sich die Haare, um dem Töpfer zu gefallen. Sogar das schlechte Gemüse kann sie nicht mehr schrecken.

Marc Fitten, 1974 in Brooklyn geboren, schildert in seinem Debütroman „Valerias letztes Gefecht“ eine Liebe, die mit aller Gewalt über die Beteiligten hereinbricht und bald auf Hindernisse stößt. Das größte heißt Ibloya, denn auch sie interessiert sich für den Töpfer. Ibloya, heißt es, „sah mehr nach einem Pferd als nach einer Frau aus, und zwar nicht nur, weil sie immer so schwitzte.“ Durch solch bildhafte Beschreibungen werden Fittens Figuren sofort lebendig, man fühlt sich direkt unter die betrunkenen Dorfbewohner versetzt, wie sie auf Ibloyas riesige Brüste starren und in der Kneipe billiges Bier bestellen. In Gestalt eines hinterlistigen Schornsteinfegers führt Fitten geschickt eine weitere Figur ein. Sie steigert die Abneigung unter den Konkurrentinnen zusätzlich.

Wie kommt es aber, dass ein dunkelhäutiger Amerikaner mit Wurzeln in Panama ein Buch über das Ungarn der neunziger Jahre schreibt? Nun, Fitten ging als 19-Jähriger nach Ungarn, um mit knapp 12 000 Dollar im Gepäck seinen ersten großen Roman zu schreiben. Aus dem Plan wurde nichts. Das Geld war nach wenigen Monaten aufgebraucht – und seinen Text fand er miserabel.

Immerhin klappte es mit der Liebe: Fitten lernte seine spätere Frau Zita Vegso kennen und zog mit ihr zurück in die USA, studierte dort Literatur, wurde Herausgeber der „Chattahoochee Review“, Atlantas ältester Literaturzeitschrift, und schrieb seinen zweiten und vor allem: ersten veröffentlichten Ungarn-Roman – eben „Valerias letztes Gefecht“. So überraschend, wie seine Titelheldin sich wandelte, überkam auch Fitten der Erfolg: Neben den USA und England, wo der Roman bei Bloomsbury als Spitzentitel erschien, ist er in sechs Länder verkauft. Nun können auch die Deutschen ihren Spaß daran haben. Holger Günther

Marc Fitten:

Valerias letztes

Gefecht. Roman.

Aus dem amerikanischen Englisch von Claudia Wenner.

dtv, München 2009. 298 Seiten, 14,90 €.

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