Roman : Thommie Bayers "Eine kurze Geschichte vom Glück"

Was macht man, wenn plötzlich 6,2 Millionen Euro auf dem Konto liegen? So ergeht es Robert Allmann, dem Ich-Erzähler von Thommie Bayers neuem Roman.

Christoph Schröder

Klar – man kauft einen iPod mit ganz viel Gigabyte für sich und einen für die Freundin, dazu ein neues Auto, das gleich einen Kosenamen bekommt. Und als die Freundin, ohne von dem Millionengewinn zu wissen, plötzlich mit einem anderen Typ davonläuft, fährt man nach Italien. Das mag ein wenig verkürzt dargestellt sein, ist aber insgesamt doch zutreffend. Vor allem ist es alles andere als spektakulär, gemessen an der Riesensumme.

Wo aber verläuft die Grenze zwischen öder Trivialliteratur und dem Unterhaltungsroman mit Anspruch? Vermutlich genau hier. Denn die kreuzblöden Bücher etwa eines Tommy Jaud („Vollidiot“) und Thommie Bayers immerhin in die Longlist für den Deutschen Buchpreis aufgenommener Roman haben zumindest phasenweise etwas gemein: den aufgekratzten Tonfall der heiteren Kleinpointenhascherei.

Es wäre jedoch ungerecht, Bayer in die Radauhumor-Ecke zu stellen, denn er nervt nicht durchgehend und gibt seinem mittelmäßigen Helden, der urplötzlich zum Millionär geworden ist, ein Mindestmaß an Reflexionsfähigkeit und Melancholieanfälligkeit mit.

„Eine kurze Geschichte vom Glück“ ist auch der Roman einer verlorenen Liebe, von deren Beginn Bayer in Rückblenden erzählt. Man fragt sich zwar, wie und warum man sich ausgerechnet in eine solche Frau verlieben kann, die Allmann ihren „Daggl“ nennt und die sich von ihrem späteren Geliebten mit „Honigbiene“ anreden lässt – aber darum geht es ja auch nicht. Bayers Darstellung des reichen, aber einsamen Durchschnitts-Allmann hat seine rührenden Momente.

Der Mensch, mit dem er das Glück hätte teilen, also verdoppeln wollen, hat sich einfach aus dem Staub gemacht, also beschließt Robert Allmann, sich zunächst einmal eine Katze anzuschaffen, „und wenn es die eigensinnigste und arroganteste Katze der Welt ist“. Auch das ist Geschmackssache. Aber wenigestens auch der Beginn eines neuen Lebens.

Thommie Bayer: Eine kurze Geschichte vom Glück. Roman. Piper Verlag, München 2007.

215 Seiten, 16,90 €

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