SCHREIB Waren : In der Krise hilft nur klauen

Steffen Richter hat ein diebisches Vergnügen an Eigentumsdelikten

Steffen Richter

Für manche liegt ein besonderes Glück darin, verschlossene Türen, Fenster oder Vitrinen zu öffnen, um etwas herauszuholen. Das heißt Diebstahl, zuständig ist das Strafgesetzbuch. Mitunter aber wecken Diebe auch Sympathien – sei es, weil sie Reichtum von oben nach unten umverteilen, vorzügliche Umgangsformen besitzen oder ihre Tätigkeit als Kunst verstehen. Das ist der Fall beim Gottvater aller, die sich ernsthaft mit Diebstahl und Einbruch beschäftigt haben, von Robin Hood bis Danny Ocean: Die Rede ist von Arsène Lupin.

Dieser stets gut gelaunte Meisterdieb und clevere Verwandlungskünstler wurde vor etwa einem Jahrhundert geboren, als sein Schöpfer Maurice Leblanc den Auftrag bekam, für ein französisches Magazin eine Diebesgeschichte zu schreiben. So kam Lupin zur Welt und geisterte zwischen 1905 und 1937 durch zwei Dutzend Bücher. Dieser brillante, bis heute jugendfrische Gentleman-Einbrecher ist seinen Gegnern ständig voraus, strotzt vor geistigen und körperlichen Kräften – und wird nun endlich wieder aufgelegt. Gerade ist mit „Arsène Lupin und der Schatz der Könige von Frankreich“ der zweite Band einer fein illustrierten Reihe im Verlag Matthes & Seitz erschienen. Bloß kann Leblanc, der 1941 starb – übrigens auf der Flucht vor den Nazis –, nicht zu Lesungen kommen. Zum Glück gibt es aber einen geistigen Nachkommen Lupins: Alexander Salem.

Letzterer kann natürlich perfekt mit Dietrich, Fühler und Säge umgehen. Als Auftragsdieb soll er in Monte Carlo einen Briefumschlag stehlen. Eigentlich eine simple Aufgabe, vorausgesetzt, man verläuft sich nicht in einem edlen Weinkeller. Es ist eine ziemlich tolldreiste Kolportagegeschichte, die Steffen Kopetzky kompiliert hat. Im Spiel sind eine Ex-Stasiagentin, ein Schriftsteller und der Flughafen Tempelhof. Kopetzky hat nämlich in Neukölln gewohnt, bevor er in seine bayrische Heimatstadt Pfaffenhofen zurückkehrte, wo er – kaum zu glauben – neuerdings für die SPD im Stadtrat Lokalpolitik betreibt. Es gibt also einiges zu erzählen, wenn Kopetzky am 24.10. (20 Uhr) mit seinem Roman „Der letzte Dieb“ (Luchterhand) ins Literaturhaus kommt (Fasanenstr. 23).

Freilich muss man, selbst wenn die Not groß ist, nicht immer gleich klauen. Man kann auch seine Bücher verkaufen. So tun es viele Kubaner in Leonardo Paduras spätsozialistischem Gesellschaftskrimi „Der Nebel von gestern“ (Unionsverlag). Der ehemalige Polizist Mario Conde schlägt sich darin als Antiquar durch und stößt auf eine unvollendete Geschichte aus dem Havanna der prärevolutionären fünfziger Jahre. Das ist, wie immer bei Padura, große Literatur. Erleben kann man sie am heutigen Dienstag (19.30 Uhr) im Instituto Cervantes (Rosenstr.18–19, Mitte).

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