SCHREIB Waren : Aber, bitte, keine Rache

Andreas Schäfer über altgewordene Widerständler.

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In seiner Programmvorschau für diese Woche stellt der Buchhändlerkeller die West-Berliner Institution Kostas Papanastasiou mit folgenden Worten vor: „Er ist Schauspieler, Sänger, Poet, Gastwirt, und in all dem ist er immer noch und nicht zuletzt: Grieche.“ Papanastasiou, 1937 in Griechenland geboren, lebte schon zehn Jahre in Berlin, als sich 1967 das Obristenregime in Griechenland an die Macht putschte. Er wurde schnell zur Berliner Stimme des griechischen Widerstands, sang in seinem Restaurant „Terzo Mondo“ Lieder von Mikis Theodorakis, während der im Gefängnis saß. Später, nachdem das Militärregime 1974 zusammengebrochen war, holte er Theodorakis auch zu Konzerten nach Deutschland. Zum Vorzeigegriechen mutierte Kostas Papanastasiou freilich erst ein weiteres Jahrzehnt später, als er die Rolle eines griechischen Wirts in der „Lindenstraße“ übernahm. Vor einigen Wochen kam er mit der Erzählung seiner Geschichte in der „Erzählbar“ nur durch die erste Hälfte. Vom zweiten Teil seines abenteuerlichen Lebens berichtet er am Sonntag, den 21. März (17 Uhr, Carmerstraße 1).

Beim Stichwort Widerstand ist es zu Günter Grass nicht weit. Gerade ist im Ch. Links Verlag die Dokumentation „Günter Grass im Visier. Die Stasi-Akte“ erschienen. Dass die Staatssicherheit an ihm Interesse hatte, war ihm klar, sagte Grass kürzlich in einem Interview für „Die Zeit“. Doch von dem Ausmaß der Observation war er überrascht. „Der Umfang der Bespitzelung war uns, die wir meist zu mehreren aus West-Berlin einreisten, nicht bewusst.“ Hermann Kant hatte schon 1961 die ersten Berichte über Grass verfasst, auch Hans Marquardt, der Grass’ „Treffen in Telgte“ in der DDR herausgab, entpuppte sich als Informant. 2001 hatte Grass auf die Bitte der Birthler-Behörde, seine Akte einem Wissenschaftler für dessen Dissertation zugänglich zu machen, noch rigoros reagiert: Er wünsche keine Einsicht. Wenige Monate später schränkte er in einem Brief an Marianne Birthler ein: „Was zeitgeschichtlich relevant ist, soll erforscht werden, doch, bitte, keine späte Rache!“ Am Sonntag, den 21. März, stellt Günter Grass im Gespräch mit Kai Schlüter und Christoph Links im Berliner Ensemble das Buch vor (Bertold-Brecht-Platz 1, 11 Uhr).

Die meisten Autoren sind diese Wochen auf der Leipziger Buchmesse. Einige machen einen Umweg über Berlin. Am heutigen Dienstag liest Arno Geiger aus seinem Roman „Alles über Sally“ im Literarischen Colloquium (Am Sandwerder 5, 20 Uhr). Und Tahar Ben Jelloun stellt am Freitag, den 19. März, seinen neuen Roman „Zurückkehren“ im Dahlemer Autorenforum vor (Lansstraße 8, 19.30 Uhr).

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