Schreibwaren : Nur für Eingeweihte

Bücher bestellen, Rezensionen verfassen, Empfehlungen abgeben und sogar seinem Lieblingsautor eine E-Mail schicken: Andreas Schäfer über den exklusivsten Buchladen in Mitte.

Andreas Schäfer

Als ich noch mein Schreibzimmer in der Brunnenstraße hatte, tauchte dort, zwischen häufig wechselnden SchrammelGalerien, Berlin-Shops und handtuchschmalen Hipster-Läden für ökologisch korrekte T-Shirts, eines Tages auch ein neuer Buchladen auf – nur wenige Meter neben der renommierten Starick-Buchhandlung, die unlängst leider schließen musste. Normalerweise betrete ich nahezu jeden Buchladen, aber vor diesem blieb ich staunend stehen. In der Auslage befand sich nur eine Handvoll Bücher, die – so spartanisch präsentiert – eher wie superschicke Kunstobjekte wirkten. Auch innen standen kaum Regale, und die einzige im Raum anwesende Person saß an einer Arbeitsplatte und starrte auf den Bildschirm eines schneeweißen Notebooks.

„Tubuk. Nicht jedes Buch“ heißt der karg und exklusiv sortierte Laden, der nur Bücher von Independent-Verlagen führt. Eine feine Sache – weniger fein wirkt dabei nur sein Abgrenzungs- und Abwertungsgestus, denn „Nicht jedes Buch“ meint letztlich „Nicht jeder Kunde“. Jetzt installieren schon Buchhandlungen atmosphärische Türsteher!, dachte ich. Wie schäbig-cool will Berlin-Mitte denn noch werden? Nee, Freunde, in so einen Laden setze ich aus Prinzip keinen Fuß.

Muss ich auch nicht. Denn Tubuk ist ein Internetonlineshop (www.tubuk.com), in dem man Bücher von vielen kleinen Verlagen bestellen kann – vom Alexander Verlag über Blumenbar, Kookbooks bis zum Verbrecher Verlag. Und dort geht es zum Glück einladender zu als im sogenannten Store. Da kann nicht nur jeder Bücher bestellen, sondern auch Rezensionen verfassen und Empfehlungen abgeben und sogar seinem Lieblingsautor völlig barrierefrei eine E-Mail schicken.

Am 24. April liest der Blumenbar-Autor Matias Faldbakken im general publik, Schönhauser Allee 167c, aus „Unfun“, dem letzten Teil der „skandinavischen Misanthropie“. Es geht um die Anarchistin Lucy, ihren Ex-Mann Slatkus, Fitnessfanatiker und Gewaltintellektuelle, und um das Online-Spiel Deathbox. Kathrin (24) schreibt bei Tubuk.com: „Sehr gern gelesen, klar und gut geschrieben, und das Personal angenehm überdreht.“

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